adventskalenderLayout & Gästebuch:
by Selia
Organisation & Kleinkram:
Rei & Maddle
Avatare und Nachtarbeit:
Tsumi & Nyx
Art & Fics:
Mitglieder des FF-Challenge-Zirkels

Wichtel online


  Startseite
  Gästebuch
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .
  .

http://myblog.de/adventskalender

Gratis bloggen bei
myblog.de





2.12.

Autor:
Tsutsumi
Fandom: Detektiv Conan
Rating: U
Pairing: Ran x Shinichi
Challenge: “Eingeschneit”
Feedback: Hier im GB oder auf Animexx


Eingeschneit

Ein monströser Weihnachtsmann aus schier Millionen von winzigen Glühlämpchen säumte mit seinem blendenden Schein den Weg der Einkaufsstraße. So überrot sah das aus, als würden die vielen hohen Gebäude der Innenstadt nicht glänzen sondern vielmehr verbluten. Man durfte diesem Lampenhaufen auch nicht auf die weiße Bommel der Mütze schauen, andernfalls wäre man wahrscheinlich erblindet.

Rush Hour. Links und rechts neben dem Jungen und seiner Freundin stoben Menschenmassen vorbei, wohl darauf bedacht, sie nicht anzustoßen, wie sie wie eine Insel nur ganz langsam vorbeitrieben.
Der Wind war frisch und warm, kam vom Meer her und warf die langen, braunen Haare des Mädchens durcheinander, welches inmitten des warmen Gedränges verschämt an seinen weihnachtsroten Handschuhen zupfte.
„Es ist so...unstimmig!“, jammerte es leise.

Mit den kullerrunden, blauen Augen musterte Ran Mori versucht andächtig das Viertel, durch das sie mit Shinichi versuchte zu spazieren. Versuchte.
Von oben her erstrahlte der blutrote, alpverträumte Schein des Weihnachtsmannes, den man an der Wand des großen Bürogebäudes fixiert hatte. In der Nacht strahlte er nun über den halben Bezirk hinaus und ab und an ertönte aus zwei Lautsprechern links und rechts neben der Konstruktion ein grimmiges, tiefes Lachen.
Ho ho ho.
Welches einem sodann durch Mark und Bein ging.

„Du hast Recht!“, pflichtete Shinichi Ran bei, als er sie sanft am Ärmel fasste und sie mit einer gelassenen Bestimmtheit, die nur ein Detektiv seines Kalibers haben konnte, aus dem Strom an den Rand des Fußweges bugsierte.
„Wollhandschuhe bei elf Grad am Morgen sind wirklich etwas unstimmig.“
Er zog spöttisch den rechten Mundwinkel hoch.
„Das meine ich nicht!“, gab Ran genervt zurück.
„Ich meine das alles hier!“

Mit einer weiten, ausladenden Handbewegung zeigte sie über den Platz, die Kreuzung und die Menschen, die vorbeihuschten. Eine Sekunde später wäre beinahe ein betagter Herr mit Krokodilledertasche mit dem Gesicht gegen ihre ausgestreckte Hand geklatscht.
„Es soll weihnachtlich sein“- Ran zog sich mit beleidigtem Tonfall die roten Handschuhe von den Fingern. Sie hatte sie extra gestrickt, in einer Farbe, die dunkler Feuerglut glich und mit tannengrünen Weihnachtsbäumen bestickt. Stimmig eben.
„Und dabei ist es einfach eine scheußliche Katastrophe!“

Shinichi hatte beide Hände in den Taschen seiner braunen Jacke vergraben und zuckte ratlos und mit ziemlich abgeklärtem Gesicht die Schultern.
„Was hast du erwartet?“, sagte er leicht heiser.
„So ist das nun mal Anfang Dezember in der Großstadt.“
Seine blauen Augen spiegelten sich schimmernd im Schaufenster des Geschäftes, vor welchem er mit seiner Freundin stand.
Ran zog bedrückt die Mundwinkel in die Tiefe.
„Am besten wäre es, wenn wir einfach in einer kleinen Blockhütte in den Bergen eingeschneit wären!“
Shinichi starrte sie fragend an, mit halb geöffnetem Mund.
„Das wäre doch das Romantischste überhaupt!“, erklärte das Mädchen und strich sich Strähnchen dunkler Haare zurück, die ihm ins Gesicht geweht worden waren.

„Ein Kamin, in dem das Feuer knistert, darüber unsere Weihnachtssocken aufgehängt. Kein Ärger, kein Lärm, keine monströsen Dekorationen, bei deren Anblick Kinder anfangen zu weinen...“
Ran kicherte ein wenig und schaute in die Menschenmenge.
„Einfach nur wir und der wunderbar weiße Schnee, der zwei Meter fünfzig hoch ist, sodass wir gar keine andere Wahl haben als dort zu bleiben in all der Romantik!“
Es hätte nicht viel gefehlt und Ran hätte vor romantischer Rührung rosa Wangen bekommen. Vielleicht hatte das alles viel zuviel von Sonoko, dieser Kitsch und all diese Idealbilder, nach denen sie in den ersten Tagen der Vorweihnachtszeit immer geiferte. Es war jedes Jahr wie eine Art Virus, wie eine Grippe, deren Fieber sie in den ersten Tagen niederstreckte. Und erst nach und nach erholte sie sich von diesem Schock, bis sie irgendwann wieder mühsam die Stufe zur praktischen, unkomplizierten Ran geschafft hatte.
Die Ran, die alle kannten.

Shinichi machte ein nicht gerade verständnisvolles Gesicht, als sie zu ihm hochsah.
Skepsis und der typische nüchterne Blick standen im Blau hinter seinen Pupillen geschrieben.
„Drei Sachen, Ran!“, sagte er und versuchte, das an den Hauswänden entlangwabernde „Ho ho ho“ zu übertönen.
„Das Feuerholz ist irgendwann alle, und ich kann mich nicht durch zwei Meter fünfzig hohen Schnee zum nächsten Wäldchen durchgraben. Das heißt, irgendwann frieren wir uns den Allerwertesten ab.“
Seine Augen verklärten sich kurz. Er blinzelte langsam.
„Das Essen ist auch irgendwann alle und wir werden uns nicht durch zwei Meter fünfzig hohen Schnee schlagen können, um die schlappen fünf, sechs Meilen zum nächsten Dorf zu laufen.“
Ran konnte das Kribbeln seiner Worte auf ihrem Gesicht spüren, als er näherkam. Seine warme, beschützende Präsenz, den Duft seiner leicht zerwuschelten Haare.
„Und zu guter Letzt ist da draußen in den Bergen nichts. Gar nichts. Das heißt, uns würde die Decke auf den Kopf fallen, es sei denn, wir fahren in die Stadt. Die Sache mit der Höhe des Schnees erspare ich dir jetzt mal eben.“
Das war es, sein neckisches Grinsen, die leichte Schärfe eines Ermittlers, die in seiner Stimme mitschwang. Ran liebte diesen Ton, und zugleich mochte sie ihn nicht. Shinichis Nüchternheit schob sie oft in scheinbar so weite Fernen, in Spähren, die Shinichi nicht mehr zu begreifen schien.

Innerlich seufzend begann sie zu nicken.
Eingeschneit sein, was für eine hirnrissige Idee!
Hinter ihr leuchteten die goldenen Lichterketten des Geschäftes auf.
Warm. Einladend, wie winzige Lichte an einem Horizont hinter den Selbstvorwürfen, die sie sich machte.

Und dann war Shinichi ihr plötzlich ganz nahe.
„Pass auf...“ , murmelte er sanft lächelnd. Seine von der trockenen Luft spröden Lippen zogen sich so weit auseinander bis Ran das Weiß seiner Zahnreihen direkt vor sich erkannte.
„Lass es mich lieber so hier machen...!“
Die Hände des Jungen, die bis eben in den Jackentaschen verweilt hatten, wanderten, zu Fäusten geformt, empor, schwebten über Rans Kopf.
Verwirrt starrte das Mädchen in Shinichis bezirzenden Blick und merkte nur nebenbei, dass aus den Lautsprechern über ihr „White Christmas“ in einer grauenhaften Fahrstuhlmusik-Version ertönte.
„Wie passend!“, frohlockte Shinichi.

Und es schneite.
Weiße, dicke Flöckchen landeten auf Rans Schultern, auf ihrem Kopf, strichen sanft an ihrem schmalen Nasenrücken entlang, streichelten warm ihre Wangen.
Sie blieben in den langen Strähnen ihrer Haare hängen, an den Knöpfen ihrer roten Jacke. Der Wind zog an ihnen, ließ sie ein paar Sekunden lang in der Luft tanzen, solange bis sie sich auf die Schultern anderer Passanten niedersinken und davontragen ließen.
Weiß, glitzernd im roten Strahlen der Dekorationen.
Ran fühlte, wie es ihr im Bauch ganz zart warm wurde.
Sie lächelte und schaute hoch, direkt auf die Hände des Jungen, die die letzten Kunstschneeflocken im Wind verstreuten.

„Ich weiß doch, wie das ist!“, sagte Shinichi grinsend.
„Du und dein Schnee... Ich dachte, ich schneie dich einfach mal höchstpersönlich ein!“

Perfekt.
Ein ganz und gar perfekter Moment, in dem Ran ihre Kitschsehnsucht überwand, in dem Shinichi ganz undetektivisch und verlegen dreinschaute, in dem um die beiden herum ein Trubel herrschte, der andere Leute zur Verzweiflung gebracht hätte.

„Danke!“
Ran durchbrach die letzte Barriere. Mit vorsichtiger Überschwenglichkeit drückte sie sich an den Jungen und schlang die Arme um ihn, spürte ihn durch und durch.
Und er fühlte sich ganz zittrig an, als er sie langsam näher in die Umarmung zog.
In einer Einkauffstraße.
Anfang Dezember.
Während die vorbeifahrenden Autos im Schein des riesenhaften Wand-Weihnachtsmannes wie glühende Kohlen aussahen.

„Wieso sollte ich Blockhütten und Berge brauchen?“, grinste Ran.
„Und scheiß auf die zwei Meter fünfzig hohen Schnee! Den braucht kein Mensch!“

„Wirklich?“
Shinichis amüsierte Stimme klang plötzlich gar nicht mehr heiser.

„Ohje... was mach ich denn dann jetzt mit den anderen 560 Tüten Kunstschnee?“

ENDE





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung