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4.12.

Autor:
Tsutsumi
Fandom: Digimon 02
Rating: G
Pairing: TaSuke/DaiKeru
Challenge: “Vanille”
Feedback: Hier im GB oder auf Animexx


Die Königsdisziplin

„Ich schaff´ das nicht!“

Ein leises Klappern schob sich zwischen meine fortschweifenden Gedanken, wie ein süßes Klingeln von einem viel zu frühen Weihnachtsglöckchen. Irgendwo in der Adventszeit hockte ein Licht, welches sich jeden Tag stets an einem anderen Ort wiederfand. Dessen war ich mir ganz sicher.
Ich saß neben meinem besten Freund in der wilden Ruhe seiner sturmfreien Bude, hielt beschützend meine klammen Finger um ein winziges Gläschen von warmem Eierpunsch.
Und während ich verträumt hinaus dachte in das vernebelte Szenario einer Vorweihnachtsnacht, lauschte ich ungläubig dem Gejammer meines Freundes, der sich lang auf der Couch ausstreckte.

„Takeeeru, erschieß mich, bitte!“
„Du bist nicht gerade deinen Prinzipien treu.“, sagte ich mit Bestimmtheit und nahm ein Schlückchen Punsch.

„Was ist denn aus `Ich werde niemals, niemals, niemals aufgeben´geworden?“
Ich grinste schnippisch.
„Und was ist mit deinem Motto `Mein Kopf ist so hart, dass er durch jede Wand geht´ passiert?“
Mein Freund schüttelte den Kopf.
„Du verstehst das nicht!“, wimmerte er. Sein schlanker Zeigefinger deutete auf mindestens tausendundeinen Joghurtbecher, die verstreut und ungeordnet auf dem Wohnzimmertischchen standen.

„Ich hab die Vanille nicht geschmeckt!“

Da hing er nun.
Noch vor einer halben Stunde hatte er mich angerufen und mich aufgefordert, sofort “meinen Hintern zu ihm rüberzuschwingen”, damit er mir mit dem Stolz eines Mannes zeigen konnte, wie er trainiert hatte.

„Ach komm, die eine Geschmacksrichtung!“
Ich ordnete kurz die Strähnen meiner blonden Haare.
„Davon wirst du nicht verlieren!“ Lächelnd versuchte, ich ihn aufzumuntern.
„Jeder irrt sich mal!“

Der Wettbewerb, das war eine exhibitionistische Session der besten Gourmets unserer Mittelschule vor versammelter Schülerschaft, in der Turnhalle, mit weihnachtsgoldenen Schärpen um der Brust, die jeweils eine Startnummer trugen und den Teilnehmern im besten Falle im sicheren Anflug von extremer Nervosität die Atemluft abschnüren würden.
Sodann würden sich Feinschmecker namen- und farblose Breichen einhelfen um in Sekundenbruchteilen die richtige Geschmacksrichtung an die Schiedsrichter zu brüllen – nur um den nächsten Becher zu bekommen.
Zu gewinnen war ein Fahrrad und- was noch wichtiger war- drei kostenlose Eisbecher beim Eisdealer um die Ecke.

Tagelang hatte Daisuke mit verbissenem Einsatz trainiert, um den ich ihn heimlich bewunderte. Und er hatte es soweit gebracht, dass er binnen zwei Sekunden die Sorte „Pflaume-Zimt“ von „Apfel-Zimt“ unterscheiden konnte, „Orange-Rosine“ von „Orange-Bratapfel“ und „Pflaumentraum“ von „Seliger Williams-Birne“.

Doch zu Fall gebracht hatte ihn letztendlich eine stinknormale Sorte- Vanille.

„Ich werde versagen!“, jammerte er und fuhr sich wild mit beiden Händen durch die strubbeligen Haare.
„Wenn ich bei Vanille versage, brauche ich gar nicht erst anzutreten!“

Diese Meinung hatte ich von Anfang an vertreten.
Nicht um Daisuke zu ärgern, sondern weil ich nicht wollte, dass er sich selbst zum Idioten machte. Er würde sich morgen klebriges Zeugs an die Mundwinkel schmieren, an die Wangen und im Eifer des Gefechts womöglich noch in die Haare. Er würde, wenn er dem Richter die Geschmacksrichtung „Plätzchen-Mandarine“ zubrüllte, mit vollem Mund spucken. Und es gab so einige Blödmänner auf der Schule, die ihn noch im nächsten Herbst damit aufziehen würden.
Und ich hatte mir innerlich fest vorgenommen, auf Daisuke aufzupassen.
Vor allem jetzt, wo die Vorweihnachtszeit ihn hin und wieder außer Rand und Band brachte.

„Versteh ich nicht“, moserte ich unwillig und spürte mit einem warmen Kribbeln, wie Daisuke sich an meiner Schulter anlehnte. Sein Atem strich über meine Brust. Süß, mit einer Duftnote von Pflaume.
„Es ist doch nur Vanille!“
„Stimmt, du verstehst es nicht“, entgegnete er leise und seine Haarsträhnen kitzelten mir am Hals.
„Vanille ist die Königsdisziplin; die ist fast überall mit drin. Vanille ist wichtig!“

Ich musste im Affekt an die hübsche, gelbe Blüte einer Vanillepflanze denken, wie ich sie bisher nur auf Bildern gesehen hatte. Und zugleich fiel mir der süße, streichelnde Geschmack von Vanilleeis ein, das sanfte Aroma, welches einem immer so zärtlich am Gaumen entlangstrich.
Verträumt spürte ich, wie mein Freund mit abwesendem Blick nach meiner Hand gefasst hatte. Weich und warm umwanden seine Finger die meinen.
„Vanille ist neben Schokolade immer da.“, murmelte Daisuke.
„Es gehört dazu, es ist so furchtbar wichtig, gerade für Weihnachten.“
Daher wehte der Wind...
„Es ist sogar so wichtig, dass Gackt ein Lied so genannt hat!“

Mit einem unwilligem Selbstverständnis musste ich mir eingestehen, dass ich Daisuke falsch eingeschätzt hatte.
Für ihn war diese ganze Aktion hier nicht blöd; sondern ein Spaß, eine witzige Herausforderung. Manchmal wollte er Dinge locker angehen und verbiss sich doch dann in sie, bekam den Kopf nicht mehr frei.
Und ich musste daran denken, wie niedergeschlagen er dieses Weihnachten sein würde, wenn er diesen Wettbewerb nicht gewann...
„Also gut...“

Ich spürte mich lächeln über all den Lichterkettenlämpchen im Wohnzimmer, die sanften Schein im Raum verteilten.
„Ich werde dich jetzt konditionieren auf Vanillegeschmack!“
Das klang, als würde ich eine Offenbarung verkünden. Daisuke schaute mich mit großen rotbraunen Augen an, sodass sich das Weihnachtslicht darin wiederspiegelte.
Er sah zu, wie ich die vielen Becherchen durchsuchte, hochhob und auf die Unterseiten untersuchte. Ich hatte bemerkt, dass dort die Geschmacksrichtungen aufgeschrieben standen.

Es war ein wahrhaft historischer Moment, jawohl, als ich spürte, wie mein Herz zu klopfen begann; als ich den richtigen Becher herauslas und nach Daisukes Löffel griff.
„Was auch immer passiert...“, ich hob den Zeigefinger;
„Du darfst drei Dinge nicht tun!“
Die Augen meines Gegenübers weiteten sich vor Staunen noch mehr.
„Was denn?“
Ich nahm einen Löffel voll Pudding zu mir, schnell, fast hektisch.
Sofort spürte ich, wie es an meinen Geschmacksknospen kitzelte, herrlich süß.
„Erstens: Du denkst immer daran, dass meine Maßnahme nur dazu dient, dich für Vanille zu sensibilisieren! Zweitens: Du verklagst mich nicht! Und drittens...“
Mein Herz klopfte so stark, dass ich sein Puckern von unten am Kehlkopfdeckel vibrieren spüren konnte.
„...du schlägst mich nicht...!“


Und dann tauchte ich ein in eine vollkommen andere Welt.
Tief, gelb, voll von roten Punkten, die vor meinen nunmehr geschlossenen Augen explodierten. Es kitzelte und kribbelte plötzlich überall. Ich konnte in meinem Kopf bunt geschmückte Weihnachtsbäume sehen, Kaufhausnikoläuse, Pfefferkuchen, Weihnachtskarten, Lichter, Wärme, Nähe...
Vanille.... zarte, süße, verschmelzende Vanille, die mir den Geschmackssinn bin zum Äußersten reizte. Ich spürte die Feuchte an Dais Lippen, seine Zungenspitze, meinen eigenen Vanilleatem, der in ihn überging, das Zittern seines Körpers, welches ihn durchlief wie eine Gänsehaut...
Die Wärme war um uns herum wie ein Vanillemantel und als ich spürte, wie Daisuke mich sanft an sich drückte, war meine Angst wie weggeblasen.

Irgendwann hatte ich in Bio von den Hunden des Doktor Pawlow gehört. Was für eine bescheuerte Idee eigentlich, Daisuke zu einem sabbernden Experimentenhündchen zu machen. Doch es schien langsam und sanft zu funktionieren.
Natürlich alles im Dienste des Weihnachtsfestes!

Atemlos spürte ich Daisuke in meinen Armen hängen.
Leise.
Mit einem Mal fühlte ich, dass ich bebte. Wirklich und wahrhaftig
Und um uns herum dieses Sammelsurium an Becherchen mit Pudding drin...

„Takeru...“
Schläfrig von der Wärme, die er ausstrahlte, sah ich Daisuke an.
„Jetzt weiß ich, warum ich mir das bisher nicht merken konnte...“
Ein Lächeln zog seine geküssten Lippen breit auseinander.

„Ich konnte es gar nicht wissen.
Vanille...das bist du...!“


ENDE



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