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16.12.

Autor:
Jolly-chan
Fandom: Harry Potter
Pairing: Remus + Sirius (aber KEIN Slash!)
Challenge: “Du hast dich überhaupt nicht verändert”
Feedback: Hier im GB oder auf Animexx
Zeitliche Einordnung: Harry Potter und der Feuerkelch
Warnung: Eigentlich müsste alles sogar ohne Hintergrundwissen zu verstehen sein. Da bin ich mir aber nicht sicher, wer also trotzdem Fragen hat, sollte mich anschreiben. Es wäre nämlich doch vielleicht vorteilhaft, ein wenig über die Marauders zu wissen. ^^"
Wie auch immer, viel Spaß! ^^



"Du hast dich überhaupt nicht verändert ..."


Noch immer wollten sich keine Flocken zeigen. Nicht ein einziges, winziges Flöckchen schien es für nötig zu halten, sich die Mühe zu machen, an seinem Fenster vorbei zu fliegen. Nach wie vor war der Blick auf die fernen Häuser am Stadtrand Londons ungetrübt.
Seufzend wandte Remus sich ab. Das war doch lächerlich. Er hatte wirklich genug zu tun, als dass er hätte aus dem Fenster starren können. Es wartete eine Menge Arbeit auf ihn.
Und allein die Tatsache, dass er überhaupt Arbeit hatte, sollte ihn dankbar stimmen, wusste er doch nur zu gut, dass es mehr als genug Leute gab, die ihn gerne tot sehen wollten, nicht aufgrund dessen, wer er war, sondern einzig und allein aufgrund dessen, was er war. Wenn seine Arbeitgeber wüssten...
Na ja, als ob er es ihnen erzählen würde.
Dabei sollte man meinen, dass sich die Zaubererschaft wenigstens in der Weihnachtszeit zu ein wenig Menschenliebe herablassen würde. Aber nein, sogar das Wetter schien ihn zu hassen. Noch immer war der Himmel strahlend hell.
Schließlich wurde ihm klar, wie hochgradig albern er sich benahm. Resigniert lächelnd stand er auf und ging auf seinen Schreibtisch zu.
Wie ein kleines Kind auf ein bisschen Schnee zu warten, nur weil Weihnachten war... langsam wurde es Zeit, dass er die Sache auf sich beruhen ließ. Es war immerhin keine große Sache gewesen – und es war schon zweiundzwanzig Jahre her.
Und doch...
Er warf einen verstohlenen Blick zurück zum Fenster. Doch auch dieses Mal wurden seine Hoffnungen enttäuscht.
Er schüttelte den Kopf über sich selbst und nahm an einem angeschlagenen, alten Schreibtisch Platz, der wirklich schon bessere Zeiten gesehen hatte. Nun, er konnte froh sein, dass er seine Arbeit nicht auf dem Fußboden schreiben musste. Himmel, er konnte ja sogar froh sein, dass er zu dieser kalten Jahreszeit überhaupt ein Dach über dem Kopf hatte!
Da stellte sich doch nur noch die Frage, wie lange das so bleiben würde...
Er wollte einen Blick auf den Kalender werfen, doch etwas lenkte ihn ab.
Er hielt inne und lauschte.
Ein kratzendes, schabendes Geräusch erfüllte den ansonsten totenstillen Raum... ein Kratzen, das eindeutig aus Richtung Tür kam.
Er runzelte die Stirn. Eigentlich dürfte noch niemand hier sein. Er hatte noch immer drei Tage Zeit, bevor er die ersten Leute erwarten durfte. Sie hatten zwar in den vergangenen Monaten nichts bemerkt, aber er vermutete, dass sie diesen Monat wohl den Grund für das monatliche Heulen herausfinden würden.
Also hielt er Vorsicht für angebracht – vielleicht wussten sie bereits alles – stand auf, zückte seinen Zauberstab – der auch nicht mehr der neueste war, aber er hatte ihn immer gut gepflegt – und näherte sich der Tür.
Betont langsam zog er sie auf, auf das Schlimmste gefasst –
Niemand war zu sehen.
Er runzelte die Stirn und wollte gerade rufen, ob jemand da sei – als ihn ein leises Winseln veranlasste, zu Boden zu blicken.
Und was er dort sah, ließ ihm den Zauberstab aus der Hand gleiten.
Ein großer, schwarzer Hund saß auf seiner Türschwelle, schien eine seiner beiden Vorderpfoten nicht belasten zu wollen und blickte kläglich aus großen, treuen Hundeaugen zu ihm hinauf. Trotz und alledem wedelte er heftig mit dem Schwanz, gerade so, als freue er sich unbeschreiblich, Remus zu sehen.
Und Remus konnte nicht behaupten, dass es ihm anders ging.
"T-Tatze?", flüsterte er.
Der Hund erwiderte nichts, was nicht überraschend war, doch es waren auch gar keine Worte notwendig.
Langsam ließ Remus sich zu Boden sinken und schloss das weiche, bemitleidenswerte Fellknäuel fest in seine Arme. "Tatze... was machst du denn hier?"
Noch immer gab der Hund keine Antwort, doch jetzt ließ er ein heiseres Bellen ertönen, als wolle er sagen: "Lass mich rein, Moony, und ich erklär's dir!"
Remus hatte die Aufforderung verstanden. Er stand auf und lächelte zu dem ihm so vertrauten Freund hinab. "Komm rein, kleiner Hund", bat er aus Rücksicht auf mögliche Zuhörer. "Dir ist bestimmt kalt."
Ergeben trottete das ausgesprochen intelligente Tier durch die Tür, die dann hinter ihm geschlossen wurde.
Niemand würde ahnen, dass in diesem Haus nun zwei Verfolgte unter sich waren.

Remus übertriebene Vorsicht hatte auch Sirius zur Wachsamkeit gemahnt. Wer sagte denn, dass Remus nicht gerade Besuch hatte? Immerhin hatte er "Tatze" gesagt, ihn nicht bei seinem wirklichen Namen genannt. Aber vielleicht hatte er einfach befürchtet, belauscht zu werden. Oder er unterschied noch immer Tatze, den Hund, von Sirius, dem Menschen, wie er es früher schon getan hatte.
Bevor Sirius also wieder seine menschliche Gestalt annahm, stellte er ausgiebig schnüffelnd sicher, dass sich außer ihnen beiden niemand im Haus befand.
Nun, vielleicht war Remus auch nur wieder ausgesprochen übervorsichtig. War er ja früher schon gewesen.
Nicht, dass es ihm jemand hätte verdenken können.
Die leichte Benommenheit, die seine Rückverwandlung begleitete, war für ihn wahrlich nichts Neues mehr, hatte er doch schon unzählige Male erlebt, wie sich seine Augenhöhe plötzlich um gut einen Meter nach oben verschob. Was neu war, war das Gefühl, direkt danach urplötzlich sturmartig von jemandem umarmt zu werden - präziser, von jemandem, der ihn damit nicht bloß auf brutale Art und Weise an Ort und Stelle festhalten wollte.
Er lachte und schob seinen Freund, den er so lange nicht um sich gehabt hatte und der ihm doch so vertraut war, sanft von sich. "Komm schon, lass mich leben, Moony! Hey!"
"W-was machst du hier?", brachte Remus hervor, offenbar überwältigt angesichts der Tatsache, seinen alten Freund hier bei sich zu haben. "Und wieso... wieso bist du verletzt?"
"Ach, ich bin an einen Muggel geraten, der hat einen von diesen Metallzauberstäben auf mich gerichtet und plötzlich tat meine Schulter weh", erzählte Sirius leichthin.
"Metallzauberstäbe?" Remus runzelte die Stirn. "Sind das nicht diese merkwürdigen Dinger, die die Muggel zum Töten benutzen?"
"Genau die!" Sirius nickte heftig. "Dabei könnte man meinen, dass die Menschen wenigstens in der Weihnachtszeit etwas netter - und was ist daran so lustig?", wollte er wissen, als er bemerkte, wie Remus schmunzelte.
"Ich hab nur eben denselben Gedanken gehabt", antwortete Remus ausweichend und ging dann zum Schrank hinüber. "Komm her, wir müssen die Wunde reinigen... irgendwo müsste ich hier doch noch einen letzten Rest von dem Zeugs rumstehen haben..."
"Nein."
Überrascht wandte Remus sich um. "Was soll das heißen, nein?"
"Das heißt nein", erklärte Sirius freundlich. "Mach mir nichts vor, ich bin vielleicht auf der Flucht, aber ich weiß sehr wohl, dass in drei Tagen Vollmond ist. Du wirst es selbst brauchen."
Remus verdrehte die Augen, setzte dann ein etwas gezwungenes Lächeln auf. "Ich hab es schon lange nicht mehr gebraucht, Sirius. Ein kleiner Wink mit dem Zauberstab und schon ist jede Wunde verheilt, die ich mir selbst zugefügt habe."
"Aber Remus!", widersprach Sirius eindringlich. "Die Verwandlungen müssen schrecklich für dich sein! Du musst das doch jedes Mal allein durchleben! Wir sind doch nicht mehr da, um dir zu helfen!"
Alarmiert sprang er vor, als Remus taumelte. "Was ist los?"
Dann verstand er. Remus angeschlagener Zustand kurz vor Vollmond, die schmerzhaften Erinnerungen... "Ach, Moony, ich bin ein Volltrottel! Es... es tut mir leid... ich weiß auch, dass es schwer ist... es wird... es kann nie wieder so sein wie vorher... nicht, wenn James nicht mehr bei uns ist..."
Er biss sich auf die Lippe und ließ sie beide behutsam auf den staubigen Boden sinken. "Hey, jetzt bin ich ja da! Ich bin dieses Mal zum Vollmond wieder bei dir, in Ordnung?"
"Was... machst du überhaupt hier?", wollte Remus wissen, offenbar erpicht darauf, das Thema zu wechseln.
"Ich sagte doch, ich bin an diesen Amok laufenden Muggel geraten", ging Sirius darauf ein. "Und wenn ich mal ehrlich sein soll, der Gedanke gefällt mir nicht, dass die gesamte Welt, einschließlich aller auf ihr lebenden Muggel, glauben muss, ich sei ein verrückter Massenmörder... Dumbledore meinte deshalb, ich sollte eine Weile bei dir untertauchen... wenn das möglich ist?"
"Bei mir bist du immer willkommen, Sirius", sagte Remus leise. "Und..." Er seufzte. "Mir gefällt noch weniger, dass auch ich geglaubt habe, du hättest..."
"Halt die Klappe!", bat Sirius freundlich. "Das haben wir alles schon hinter uns und ich mache dir nicht den geringsten Vorwurf daraus."
"Wie auch immer", lächelte Remus. "Aber sag mal - du stehst mit Dumbledore in Kontakt?"
Sirius lachte. "Ach, eine kleine Eule hier, eine Spritztour durch das Kaminnetzwerk dort... jedenfalls bin ich auf seine Empfehlung hin hier... und wenn alles glatt geht..." Plötzlich strahlte er. "Wenn alles glatt geht, dann kann ich sogar über Weihnachten hier bleiben!"
Auch Remus Miene erhellte sich merklich. "Ist das dein Ernst? Das... das wäre wunderbar!" Etwas Trauriges schlich sich in seinen Blick. "Weißt du, seit dem Jahr bevor... bevor Lily und James gestorben sind... seitdem hab ich Weihnachten immer alleine verbracht..."
Urplötzlich wurde Sirius von einer Welle von Schuldgefühlen überrollt. "Mein Gott! Und ich hatte gedacht, ich wäre im stinkenden Askaban schlimm dran gewesen... aber wenn ich dich so ansehe... wir haben dich alle im Stich gelassen, nicht wahr?"
Remus lachte humorlos. "Über Nacht auf einen Schlag sämtliche seiner wenigen Freunde zu verlieren ist nicht unbedingt ein schönes Gefühl, Sirius."
"Und seitdem hast du dich so durchgeschlagen?" Skeptisch sah Sirius sich im Zimmer um. "Wenn ich mir diese, bitte verzeih, Bruchbude so ansehe, dann ist wohl genau das eingetreten, was wir immer befürchtet hatten. Nun, sieht so aus, als hätte die Zaubererschaft ihre Vorurteile gegenüber Werwölfen auch in meiner jahrelangen Abwesenheit nicht überwunden."
Remus ging nicht darauf ein, stand statt dessen seufzend vom Boden auf. "Jedenfalls müssen wir dich immer noch verarzten." Er sah zurück und schmunzelte. "Und wenn du dich weigerst, dann schmeiß ich dich raus."
"Das würdest du nicht wagen!", neckte Sirius ihn, stand aber ergeben auf und setzte sich auf Remus Schreibtischstuhl, um sich wieder zusammenflicken zu lassen.
Eine Weile sah er Remus interessiert bei der Arbeit zu - die er natürlich ausgiebig kommentierte - doch plötzlich fiel ihm etwas auf. "Moment mal - was soll das heißen, du warst jedes Jahr alleine? Was war denn letztes Weihnachten? Du warst doch Lehrer in Hogwarts, da feiern immer alle zusammen!"
Remus lächelte schwach. "Weihnachten war Vollmond!"
"Ach, verdammt!", ärgerte sich Sirius. Ein Teil seines Ärgers galt ihm selbst, weil er diese Möglichkeit nicht bedacht hatte. "Und ich dachte, das könnte so schnell nicht wieder passieren!“
„Schnell?“, wiederholte Remus leise, ohne von seiner Arbeit aufzublicken. „Sirius, seit das in unserer Schulzeit passiert ist, sind gut zwanzig Jahre vergangen!“
Sirius verzog das Gesicht. „Wenn du das so sagst, fühle ich mich direkt alt!“
Remus lachte leise. „Immer noch der Alte, Sirius?“ Urplötzlich verschwand seine gute Laune. „Nein, ich müsste es eigentlich besser wissen. Nach dem, was geschehen ist, könnte niemand...“
„Remus!“, fiel ihm Sirius ins Wort. „Jetzt schalt aber mal einen Gang zurück! Du sagst das, als wären wir zwei völlig andere Menschen geworden! Meinst du nicht, dass wir noch genau so sind, wie wir uns kannten? Ist dir denn nicht aufgefallen, dass wir seit meinem Erscheinen hier miteinander reden, als hätten wir uns bloß gerade mal für zwei verschiedene Unterrichtsstunden getrennt?“
„Natürlich ist es mir aufgefallen!“, gab Remus zu. „Aber wir sind nur die Hälfte der Gruppe! Wie waren vier, Sirius! Und nun schau dir an, was aus uns geworden ist! Warum musste Peter uns alle verraten? Warum musste James... warum musste er sterben?“
Sirius seufzte. „Weißt du, in Askaban hab ich mir genau die gleichen Gedanken gemacht. Warum das alles passieren konnte... wie ein einziger Zauberer dafür sorgen kann, das Leben so vieler Menschen auf einen einzigen Schlag zu zerstören... aber das hab ich nur gedacht, weil sie in Askaban alle verrückt werden! Die Gefängnismauern sind gar nicht notwendig, um sie dort festzuhalten, denn ihren eigenen grausamen Fantasien können sie nicht entfliehen!“
Eindringlich sah er seinem Freund in die Augen. „Hier aber, Remus, hier ist nicht ein einziger Dementor anwesend, der uns zu diesen depressiven Gedanken verleitet. Hier müssen wir leben! Für uns, für James, für Lily!“
Eine Weile starrte Remus ihn nur an, dann wandte er den Blick ab und fuhr mit der Behandlung fort. „Du bist wirklich nicht mehr derselbe.“
Sirius blinzelte. „Wie bitte?“
„Es ist, wie du redest. Halt still!“, befahl er, als er eine übel riechende Flüssigkeit auf Sirius Wunde tropfte, die auf der Haut brannte. „Aber im Ernst. Das klingt alles so... heroisch. Selbstlos. Ich weiß auch nicht. So hat James früher geredet, aber du ganz bestimmt nicht.“
Sirius grinste. „Hey, Moony, eine Frage – Harry, ist er auch so?“
Remus schmunzelte. „Er ist James nicht nur wie aus dem Gesicht geschnitten, wie du bereits bemerkt haben dürftest, unser guter Freund Krone hat seinem Sohn auch noch viele seiner eigenen Charakterzüge vererbt. Ein bisschen was hat er auf jeden Fall von dem, was du früher bei James gerne als das Rettet-die-Welt-Syndrom beschrieben hast. Aber wer weiß, wie das jetzt ist, immerhin haben wir uns ja ein halbes Jahr lang nicht gesehen.“
„Ihr steht nicht in Kontakt?“, entfuhr es Sirius.
Remus seufzte. „Er... Ich würde ihm sicher nur schaden. Er hat ziemlich vehement versucht, mich zum Bleiben zu bewegen. Weißt du, am Morgen nach Peters Flucht, da...“
„Falls du die Tatsache meinst, dass unser aller Freund Schniefelus dich freundlichst von der Schule geekelt hat“, fiel Sirius ihm hastig ins Wort, „das hat mir Dumbledore schon erzählt. Aber warum schreibst du Harry nicht? Du bist doch praktisch alles, was ihm von seiner Familie noch geblieben ist!“
„Nun hör aber auf!“, widersprach Remus, während er mit dem Zauberstab sanft auf Sirius Schulter klopfte, um die Wunde zu versiegeln. „Ich hab nie wirklich zur Familie gehört. Du bist doch Harrys Pate. Dich sollte er vermissen, nicht mich.“
Sirius schnitt eine Grimasse. „Im Augenblick sieht das nicht so aus, als würde er mich allzu sehr vermissen. Als ich ihm geschrieben hab, dass ich wieder im Land bin – was glaubst du, wie schnell er zurückgeschrieben hat, es wäre bei ihm alles in Ordnung und ich solle bloß wegbleiben?“
„Du schreibst ihm?“, fragte Remus überrascht. „Was, wenn einer deiner Briefe dem Ministerium in die Finger gerät? Dann kriegt ihr beide ziemliche Schwierigkeiten!“
„Du hast Recht“, bestätigte Sirius leicht überrascht, denn darüber hatte er noch gar nicht nachgedacht.
Remus grinste plötzlich verschlagen. „Du kannst ihm ja sagen, er solle dich Schnuffel nennen!“
In gespieltem Entsetzen riss Sirius die Augen auf. „Nein! Dann ist er ja genau wie James! Du weißt doch genau, wie sehr Krone mich ständig damit aufgezogen hat!“
„Tja, es wird genau wie früher sein, würde ich sagen“, schmunzelte Remus. „Aber mal im Ernst, wenn du ihm schreibst – dann weißt du, wie es ihm momentan geht?“
„Nicht gut“, brummte Sirius. „Keine Ahnung, ob du davon gehört hast, aber in Hogwarts findet dieses Jahr das trimagische Turnier statt – und irgendjemand hat es geschafft, Harry als vierten von drei Champions ins Turnier zu schmuggeln. Da hat es ganz offensichtlich jemand darauf abgesehen, ihn den lebensgefährlichen Aufgaben auszusetzen, die er in seinem Alter vielleicht noch nicht meistern kann – wenn nicht sogar darauf, ihn unauffällig selbst zu töten.“
Remus war leicht blass geworden. „Ist das der Grund, warum du wieder im Land bist?“
„Der Hauptgrund, ja“, bestätigte Sirius. „Und deshalb kann ich auch nicht allzu lange hier bleiben. Über Weihnachten wird wohl drin sein, aber danach muss ich wirklich schnell weiter. Ich möchte in die Nähe von Hogwarts kommen, um Harry im Notfall beistehen zu können.“
Remus schien der Gedanke ganz offensichtlich nicht zu gefallen, dass Sirius sich einer solchen Gefahr aussetzte, doch er ging nicht weiter darauf ein. Stattdessen betrachtete er sein Werk – die Wunde war gut verheilt. „Wo wir schon von ‚nicht lange bleiben’ sprechen... ich fürchte, wir beide können hier auch nicht allzu lange bleiben.“
Sirius runzelte die Stirn. „Wie meinst du das?“
Remus lächelte schief. „Du hast es selbst gesagt – in drei Tagen ist Vollmond. Die Muggel und die wenigen Zauberer am Stadtrand werden misstrauisch. Ich bin mir sicher, dass sie mich dieses Mal fortjagen werden, deshalb möchte ich ihnen zuvorkommen und am Morgen nach dem Vollmond selbst verschwinden.“
Sirius schloss erschüttert die Augen. „Läuft das bei dir ständig so ab? Wie lange lebst du jetzt schon hier oben?“
„Zwei Vollmonde“, bestätigte Remus seine Ahnung. „Und ja, das läuft ständig so. Ich lebe meistens bei kleinen Dörfern. Und auch nie in einem Dorf, sondern immer nur am Rande davon. Dass ich so nahe bei London bleibe wie jetzt, ist eigentlich eine Ausnahme.“
„Hast du schon eine Ahnung, wo du als nächstes hin willst?“, erkundigte sich Sirius bedrückt.
Remus schüttelte den Kopf. „Bisher noch nicht. Aber langsam wird es Zeit, nicht wahr? Hast du vielleicht eine Idee?“
Sirius überlegte. Fast sofort kam ihm eine Möglichkeit in den Sinn, doch er schauderte allein bei dem Gedanken daran, dort hinzugehen, und hütete sich, ihn laut auszusprechen.
Doch sein entsetzter Blick hatte in Remus dieselbe Idee geweckt. „Ja... ja! Sirius, das ist die Lösung! Dein Elternhaus!“
Sirius erbleichte. „Das kann nicht dein Ernst sein!“
„Natürlich ist das mein Ernst!“, beharrte Remus. „Das ist überhaupt die beste Idee. Es lebt niemand mehr darin und es liegt mitten in einem Gebiet voller ahnungsloser Muggel. Sirius, wie wären dort sicherer als überall sonst!“
„Ich kann da nicht hingehen!“
„Sirius...“ Remus schien Mitleid mit ihm zu bekommen. „Hast du wirklich so große Angst vor diesem Haus? Wie schlimm kann es denn werden? Kannst du nicht einmal dorthin zurückkehren, wenn niemand mehr darin lebt?“
„Vor allem nicht, wenn niemand mehr darin lebt!“, betonte Sirius. „Du weißt doch, Remus – ich bin von dort abgehauen, sobald ich volljährig war. Meine Familie bestand aus muggelmordenden Reinblutfanatikern – sie haben mich als Blutsverräter angesehen! Und sobald ich... auch nur einen einzigen Fuß in dieses Haus setze, werde ich ständig das Gefühl haben müssen, dass meine Mutter sich von hinten an mich anschleicht, mir ins Ohr zischt und mir jeden Moment einen Fluch auf den Hals jagt! Wie eine Gefahr, die ich nicht einschätzen kann, weil ich sie nicht sehe, wird sie mir ständig auf den Fersen sein! Ich kann da nicht wohnen, Remus, ich kann es einfach nicht!“
Remus musterte ihn. „Es ist nur ein Haus, Sirius. Hey, du warst doch immer der Optimistische von uns beiden!“
„Askaban scheint mich verändert zu haben!“, stellte Sirius brüsk fest. „Wir müssen eine andere Lösung finden!“
Remus seufzte. „Schon gut, schon gut, wir kommen schon irgendwo unter.“
Eine Weile sagte keiner von beiden etwas. Sirius folgte brav Remus anfänglichem Befehl, noch eine Weile ruhig sitzen zu bleiben, und Remus räumte seine Medikamente wieder in den Schrank.
„Es schneit gar nicht“, murrte Sirius plötzlich.
Remus wirbelte überrascht zu ihm herum. „Wie bitte?“
„Es schneit nicht!“, wiederholte Sirius. „Aber es ist bald Weihnachten. Es muss schneien. So wie damals, im zweiten Schuljahr.“
„Du... du hast es nicht vergessen?“, vergewisserte sich Remus.
Sirius lachte laut auf. „Vergessen? Wo das doch das erste Weihnachten war, zu dem du uns ausstehen konntest?“
„Ich konnte euch immer ausstehen“, stellte Remus klar. „Es war mir halt nur anfangs schwer gefallen, mich euch zu öffnen.“ Plötzlich lächelte er. „Ich hab auch daran gedacht. Seitdem gehört Schnee einfach irgendwie dazu, nicht wahr?“
„Du sagst es“, grinste Sirius. „Hätte ich einen Zauberstab, würde ich uns ein bisschen Schnee zaubern!“
Remus lächelte. „Das würde die Muggel alarmieren.“
Als Remus sich wieder abwandte, musterte Sirius ihn nachdenklich, ohne dass er davon etwas mitbekam. Einerseits machte er sich Gedanken darüber, was Remus ohne ihn ganz allein hatte durchstehen müssen – andererseits aber fürchtete er den Gedanken, zum Grimmauldplatz zurückkehren zu müssen.
Ob sich das wohl vermeiden ließ?

Hoch stand der volle Mond am Himmel. Das konnten die beiden Tiere draußen im Freien deutlich erkennen. Keine Wolke und kein Dunstschleier verdeckten ihn, wodurch er in seiner ganzen Pracht und voller Unheil auf sie hinab strahlte. Die beißende Kälte zog ihre Konsequenzen mit sich, weshalb der Boden steinhart gefroren war und das Laufen erschwerte, selbst für ein Wesen, das auf vier Pfoten ging.
Sie waren in den nahen Wald gegangen, bevor sich die Verwandlung vollzogen hatte. Das war zwar riskant, in Ermangelung an Alternativen allerdings unvermeidlich. In den vergangenen Monaten hatte Remus immer fürchten müssen, dass sich dort jemand aufhielt, den er verletzen konnte – aber dieses Mal war Sirius bei ihm, um ihn zurückzuhalten und ihn daran zu erinnern, dass er tief in seinem Inneren eigentlich ein Mensch war.
Doch es klappte nicht so gut, wie Sirius sich das vorgestellt hatte. Sicher, in ihrer Schulzeit hatten sie am Vollmond alle zusammen immer viel Spaß gehabt – doch der Werwolf hatte nun mehr als zehn Jahre ohne seine Freunde leben müssen und war in dieser Zeit der Einsamkeit wieder zu dem schrecklichen Monster geworden, das er ganz zu Anfang gewesen war.
Erschüttert beobachtete der Hund, wie der Wolf an den Bäumen kratzte, kleine Tiere jagte und sich selbst kratzte und biss. Anfangs hatte er sich einen heißen Kampf mit dem großen, schwarzen Hund geliefert, doch er war zu stark für den Wolf gewesen, und so hatte dieser sich zähnefletschend und wütend abgewandt, um im Wald etwas zu finden, was er töten konnte.
Noch immer waren die beiden den Grimmauldplatz betreffend zu keiner Einigung gelangt – und Sirius plagten mehr und mehr schreckliche Gewissensbisse, je länger er seinen Freund in dieser Lage beobachtete.
Durfte er seine persönliche Abneigung gegen ein Haus – ein Haus! – bewirken lassen, dass es Remus eventuell schlecht ging?
Hätte Remus ihn darum gebeten, allein dort wohnen zu dürfen, dann hätte Sirius ihm wohl vorbehaltlos zugestimmt, denn es war wirklich sicher dort. Sie wären beide sehr sicher dort, denn bestimmt würde niemand von Sirius Verfolgern darauf kommen, dass er sich in seinem Elternhaus vor ihnen verstecken könnte.
Tatsache war allerdings, dass einfach nicht mehr die Möglichkeit bestand, Remus allein dort wohnen zu lassen. Denn Sirius hatte ihm bereits versprochen, dass er über Weihnachten bleiben würde.
Und nun musste er sich entscheiden: Was war ihm wichtiger? Remus Sicherheit oder seine Freundschaft?
Denn die einzige Möglichkeit, beidem nicht zu schaden – war zum Grimmauldplatz zurückzukehren.
Konnte er das mit sich vereinbaren?
Er verzog sein Hundegesicht, als er mit ansehen musste, wie der Wolf mit einer seiner Klauen eine tiefe, klaffende Wunde in seinen Körper riss. Sah schmerzhaft aus. Davon würde Remus noch eine ganze Weile etwas haben.
Doch als der Wolf daraufhin ein schmerzerfülltes Jaulen gen Himmel ausstieß, da hatte Sirius sich entschieden.
Er würde wohl in den sauren Apfel beißen müssen.

„Ich denke nicht, dass ich diese Bruchbude vermissen werde, Schnuffel!“
Ein Knurren war die Antwort.
Lachend schloss Remus die Tür zu. „Gewöhn dich lieber an den Namen, dann musst du Harry später nicht anknurren!“
Es war der Morgen nach dem Vollmond. Sirius hatte sich für die medizinische Behandlung revanchiert und Remus so gut wie ihm möglich verarztet, bevor er ihn ein paar Stunden hatte schlafen lassen. Das hatte ihm Zeit gegeben, Remus letzte Habseligkeiten, präziser gesagt die Medikamente und Heilmittel, mit in den Koffer zu packen.
Remus war ihm recht dankbar dafür, denn so hatten sie eine Menge Zeit gespart. Die Muggel waren zwar noch nicht aufgetaucht, aber es konnte eigentlich nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sie auf der Matte standen. So konnten die beiden nun verschwinden, ohne ihnen zu begegnen.
Remus nahm seinen Koffer – Sirius hatte sehr über die Rollen gestaunt, die eine Idee der Muggel waren – und zog ihn hinter sich her, den schwarzen Hund an seiner Seite.
Keiner von beiden warf einen Blick zurück.
Endlich einmal wieder einigermaßen gesund, also auch dementsprechend munter, tollte der Hund durch die Gegend, lief mal ein Stück voraus, kam dann wieder zurück und zerrte verspielt am Saum von Remus Umhang. Momentan schien er der glücklichste Hund der Welt zu sein.
Sie waren schon eine ganze Weile gelaufen und hatten den äußeren Bereich Londons bereits hinter sich gelassen, als Remus plötzlich zusammenschreckte, da er direkt neben sich ein lautes, fröhlich klingendes Bellen hörte.
Belustigt sah er hinab. „Was ist los mit dir, Schnuffel?“
Der Hund war so aufgeregt, dass er sogar vergaß, den Spitznamen zu beknurren, reckte statt dessen wiederholt seine Schnauze in die Höhe.
Remus beugte sich zu ihm hinab – und dann machte sich ein Lächeln auf seinem Gesicht breit.
Im schwarzen Fell des Hundes hatte sich eine winzige Schneeflocke verfangen, die Remus gerade rechtzeitig noch entdeckt hatte, bevor sie auch schon geschmolzen war.
Fast synchron sahen sie zum Himmel. Und nur wenige Augenblicke später fielen immer mehr der weißen Flocken auf sie hinab, hüllten sie in einen Wirbel angenehmer Kälte.
Der Hund fing an laut zu bellen, sprang umher und schnappte nach den Flocken.
Auch Remus war plötzlich so glücklich, dass er sanft eine Flocke in der Hand auffing und sie betrachtete, bis sie geschmolzen war.
Sie machten sich wieder auf den Weg. Nun war es nicht mehr sehr weit bis zum Grimmauldplatz, sie mussten lediglich noch ein paar Straßen weit laufen.
Als er jedoch davor stand, war Sirius gute Schneelaune schlagartig verflogen. Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend betrachtete er das ihm so verhasste Gebäude.
Und plötzlich ging alles ganz schnell, viel zu schnell für seinen Geschmack. Schon im nächsten Moment standen sie direkt vor der Haustür, Remus benutzte seinen Zauberstab, um sie zu öffnen, und dann standen sie mit einem Mal in der dunklen, verlassenen Eingangshalle.
Unruhig verwandelte Sirius sich zurück, nahm seine menschliche Gestalt wieder an. Schon jetzt fühlte er sich verfolgt, schlimmer, als er es auf der Flucht vor der ungerechtfertigten Strafe je getan hatte. Die Stille machte ihm mehr zu schaffen, als es etwas anderes jemals zu tun vermochte. Beklommen sah er sich in den Raum um.
Da hingen noch immer die Köpfe der Hauselfen an der Wand. Da stand noch immer derselbe alte, hässliche Schirmständer, den er schon als kleines Kind gehasst hatte.
Doch etwas war neu – ein riesiges Gemälde hing an der Wand.
Ein Gemälde, dessen Bewohner seine beiden Besucher in eben diesem Moment entdeckt hatte.
Es war, als würde ein Sturm über sie hereinbrechen.
„Blutsverräter, Muggelfreund, wie kann er es wagen, einen Fuß in dieses Haus zu setzen -“
„Vielleicht ist das Haus nicht ganz so unbewohnt, wie wir dachten“, murmelte Remus.
„– und der hinter ihm – ist es der Werwolf? Halbmensch, Monster, entweiht mein Haus und befleckt die Hinterlassenschaft meiner ehrbaren Familie –“
Eine ganze Zeit lang starrte Sirius das Abbild seiner Mutter nur ausgesprochen verblüfft an. Und erst, als er neben sich Remus überraschtes Aufkeuchen hörte, wurde ihm klar, dass sich seine eigenen Gesichtsmuskeln plötzlich zu einem breiten Lächeln verzogen hatten.
„Du hast dich überhaupt nicht verändert!“, teilte er dem Porträt freudenstrahlend mit, das seine Schimpftirade noch immer nicht einstellen wollte.
Dann lachte er laut auf, nahm den Koffer und trug ihn am völlig verblüfften Remus vorbei in Richtung Küche.
„Komm schon, Moony, wir müssen uns schon ranhalten, wenn wir das hier bis Weihnachten noch bewohnbar machen wollen!“

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Schlusswort: Tja, ich möchte meine Stories immer so authentisch wie möglich halten – gestern war Vollmond. ^^



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