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21.12.


Autor
: Jolly-chan
Fandom: Inuyasha
Challenge: "Ohne Schnee"
Warnung: Ich hab versucht, den Eindruck eines kleinen Mädchens zu erzeugen - aber ich denke nicht, dass mir das sonderlich gut gelungen ist.
Feedback: Hier im GB oder auf Animexx


Zum wiederholten Male sah sie aus dem Fenster. Zum wiederholten Male ließ sie sich von der Hoffnung überwältigen.
Und zum wiederholten Male wurde sie bitter enttäuscht, zum wiederholten Male bot sich ihr der Himmel nur als wirbelndes Grau dar.
Zum wiederholten Male?
Sie wusste nicht mehr, wo sie diese Formulierung aufgeschnappt hatte, aber das war egal, denn sie musste sie so oft wie möglich wiederholen, damit sie sie nicht wieder vergaß, wie schon so viele andere. Die Schwestern würden nur wieder lachen.
"Was schaust du so?"
Neugierig wandte sie ihre Aufmerksamkeit vom Fenster ab.
Sie hatte noch nie Besuch bekommen. Seit dem Anfang dieses Monats waren zwar schon ganz viele Tage vergangen, aber nie hatte sie jemand hier in diesem komischen Zimmer begrüßt.
Ihr Blick fiel auf ein... Wesen in einer knallroten Mischung aus Kimono und Hosenanzug, ein Mädchen, das nur etwas älter sein konnte als sie selbst. Das verriet zumindest ihr Gesicht, vor allem ihre leuchtenden, seltsamerweise blassrosafarbenen Augen. Der Rest ihres Aussehens allerdings...
Sayuri runzelte die Stirn. "Komm mal näher."
Das Mädchen musterte sie etwas überrascht, kam aber der Aufforderung nach. Behände krabbelte sie auf das Bett ihrer neuen Freundin, setzte sich neben sie. "Ich bin Akemi", verkündete sie. "Wer bist du?"
Doch Sayuri antwortete zunächst nicht. Fasziniert nahm sie eine der Haarsträhnen in die Hand, die die Ohren ihrer ersten Besucherin bedeckten, und ließ sie sanft durch ihre Finger gleiten.
Sie war schneeweiß.
"Wer bist du?", wiederholte Akemi, schon ziemlich ungeduldig.
"Sayuri", antwortete die Kleine unsicher und ließ die Haarsträhne fallen. "Du bist schön. Warum bist du jetzt so sauer?"
"Tut mir leid", murmelte Akemi. "Ich weiß es selber nicht. Mama hat gesagt, das hab ich von Papa."
"Ich habe keinen Papa", erzählte Sayuri. "Auch keine Mama. Ich hab überhaupt keinen."
"Ich weiß", erwiderte Akemi. "Deswegen bin ich ja da. Aber sag's bloß nicht meiner Mama!"
Sayuri musterte sie traurig. "Würde deine Mama nicht wollen, dass du hier bei mir bist?"
"Das ist es nicht", entgegnete Akemi kess. "Ich hab sie einfach nicht gefragt."
Sayuri blinzelte. "Und wieso glaubst du, sie könnte nicht darauf kommen, dass du hier bist?"
Akemi lachte. "Ich hab ihr gesagt, dass ich mit Shippo-chan spielen gehe, da hat sie mich gehen lassen."
Sayuri verstand noch immer nicht. "Wieso bist du dann nicht bei... Shippo-chan? Wer auch immer das ist, bestimmt bietet der lustigere Gesellschaft als ich. Ich kann nicht mehr mit dir spielen. Ich muss bald für immer einschlafen."
Darauf wusste Akemi offenbar nichts zu erwidern, starrte sie aus großen, traurigen Augen an.
Aber Sayuri hatte sich gerade so toll mit ihr unterhalten! Sie wollte nicht, dass Akemi gleich wieder ging, also sagte sie einfach irgend etwas, damit ihre Freundin weiter sprach. "Woher weißt du, dass ich keine Mama mehr habe?"
"Ich kannte deine Mama", erzählte Akemi. "Nein, eigentlich kannte meine Mama deine Mama. Und mein Papa auch. Als sie weg war, haben sie sich Sorgen um dich gemacht. Sie haben erzählt, dass du hier bist, aber sie haben mir verboten, hierher zu kommen. Ist mir egal! Ich wollte trotzdem kommen!"
"Das ist lieb von dir!", sagte Sayuri ehrlich und lächelte ein wenig. Dann sah sie wieder aus dem Fenster.
"Wieso guckst du weg?" Akemi wirkte sehr besorgt. "Hab ich dich geärgert?"
"Nein", antwortete Sayuri, ohne den Blick vom Fenster abzuwenden. "Ich will, dass es schneit."
Akemi runzelte die Stirn. "Warum?"
"Weil bald Weihnachten ist", erklärte Sayuri. "Und zu Weihnachten muss es nun mal schneien. Ich will nur noch einmal Weihnachten feiern, bevor ich schlafen muss, und Schnee ist nun mal ganz wichtig dafür."
"Weih... Weih... ach, das ist doch egal, Schnee ist doof", befand Akemi. "Du kannst gar nicht reisen, wenn so viel Schnee da ist!"
"Reisen?", wiederholte Sayuri verwirrt. "Wo willst du denn hinreisen?"
"Oh, in der Welt von meinem Papa reisen wir sehr viel!", erzählte Akemi und plötzlich fingen ihre Augen an zu leuchten. "Und da haben wir immer ganz viel Spaß und so viele tolle Freunde! Shippo-chan gehört auch dazu, und Houshi-sama und Sango-san und Kirara-neko! Die sind alle immer so lieb und so lustig..."
Nun war Sayuri neugierig geworden. "Was ist das für eine Welt? Wie kommt man da hin?"
"Man muss in den Brunnen springen!", erklärte Akemi wie selbstverständlich, als hätte sie es schon ganz oft getan. "Und dann kommt man auf der anderen Seite wieder raus."
"Schneit es da?", wollte Sayuri ganz aufgeregt wissen. "Kannst du mich da hinbringen?"
"Da schneit es nicht", wusste Akemi. "Wenigstens nicht im Moment. Aber ich dürfte dich sowieso nicht da hin bringen, eigentlich darf ich dir das überhaupt gar nicht erzählen."
"Oh", machte Sayuri, wieder so traurig wie schon kurz vorher. "Aber kannst du nicht..."
"Sayuriiii!", ertönte plötzlich eine etwas schrille Stimme auf dem Gang und Sayuri stöhnte.
"Das ist die böse Schwester!", erklärte sie Akemi verschwörerisch. "Ich glaube, du verschwindest besser, bevor sie dich rausschmeißt und..."
Doch da ging bereits die Tür auf und die böse Schwester betrat das Zimmer. "Nanu!", machte sie überrascht. "Ich wusste gar nicht, dass du Besuch hast!"
Sie wandte sich an Akemi. "Husch, husch, Sayuri muss jetzt ihre Medizin nehmen!"
"Ich komme wieder!", versprach Akemi traurig, bevor sie schnell aus dem Zimmer rannte.
"Beeil dich!", rief Sayuri ihr hinterher, doch sie wusste nicht, ob ihre Freundin sie noch gehört hatte.
Aber das machte nichts.
Schließlich würde sie immer wieder kommen.

Wenn Sayuri den Kalender an der Wand gegenüber an diesem Tag richtig gelesen hatte, dann war Akemis erster Besuch ungefähr in der Mitte des Monats gewesen - und seit ihrem ersten Besuch hatte es noch immer nicht geschneit.
Akemi hatte oft versucht, sie deswegen aufzumuntern. Einmal hatte sie eine Tüte Kunstschnee, wie sie es nannte, mit hergebracht und im ganzen Zimmer, vor allem aber auf Sayuris Bett verteilt. Dafür hatte sie aber eine Menge Ärger bekommen und fast sogar - wie hatten sie es genannt? Krankenhausverbot? Jedenfalls hätte sie fast nicht wieder kommen dürfen.
Aber sie kam oft wieder - und sie erzählte Sayuri immer viele lustige Dinge.
Wie Shippo-chan und ihr Papa sich durch den ganzen Wald gejagt hatten... wie Sango-san Houshi-sama gehauen hatte... einmal hatte sie von etwas Wunderschönem erzählt, nämlich von einem Abend, an dem sie zusammen mit ihrer Mama bei Nacht in der Welt von ihrem Papa die Sterne beobachtet hatte. Und Akemis erzählte so lebendig, dass Sayuri sich jeden einzelnen dieser Sterne so gut vorstellen konnte, dass sie glaubte, die Hand nach ihnen ausstrecken zu können, um sie zu berühren, und wenn sie seit dieser Erzählung abends einschlief, dann war sie sich immer ganz sicher, einen Schimmer dieser Sterne auf der Decke über ihr zu sehen, obwohl sie bei hellem Licht ganz weiß war.
Doch auch lustige Sachen erzählte Akemi, wie zum Beispiel in diesem Moment.
"Siehst du diese Kette hier?" Aufgeregt zeigte sie Sayuri die Kette, die sie um den Hals trug. Es war eine Kombination aus großen lila Perlen und weißen Fangzähnen. Für Sayuri sah sie etwas gruselig aus.
Akemi zog sie zurück und erzählte weiter. "Mein Papa hat genau so eine, aber seine ist verzaubert. Und immer, wenn er Mama ärgert, dann kann sie machen, dass er auf dem Boden liegt. Das sieht richtig lustig aus, du solltest es mal sehen!"
"Wie macht sie das?", wollte Sayuri neugierig wissen.
"Sie sagt 'Mach Platz!'", erklärte Akemi wissend.
"Mach Platz?", wiederholte Sayuri. "Ist denn dein Papa ein Hund?"
"Sozusagen", erwiderte Akemi ausweichend, mit einem Mal ganz unbehaglich. "Mein... mein Papa ist nämlich ein Hanyou."
"Ein Hanyou?" Sayuri dachte nach, doch das Wort sagte ihr nichts. "Was ist ein Hanyou?"
"So eine Art... halbes Monster", entgegnete Akemi widerwillig. "Und deshalb bin... ich auch eines. Irgendwie." Sie streifte eine ihrer weißen Strähnen zurück und dadurch kam plötzlich ein spitzes Ohr zum Vorschein. "Eigentlich erzähle ich das keinem - aber du lachst doch nicht, oder? Oder fürchtest dich jetzt vor mir?"
"Ich fürchte mich nicht mehr vor Monstern", versicherte Sayuri. "Unter meinem Bett sind ganz viele, aber die machen mir nichts mehr aus. Ich muss sowieso bald einschlafen."
"Du kannst bestimmt vorher noch eine Weihennacht feiern!", verkündete Akemi zuversichtlich.
"Weihnachten", verbesserte Sayuri etwas beleidigt. "Ihr müsst doch bei euch auch Weihnachten feiern, oder? Deine Mama und dein Papa und du und eure ganzen Freunde, oder?"
"Jaaah, bestimmt..." Akemi wurde nachdenklich, lachte dann. "Aber das ist immer nur einmal im Jahr und das ist doch schon so lange her..."

Zwar war Sayuri etwas traurig gewesen, dass Akemi nichts von Weihnachten wusste, doch eigentlich war es ja auch egal - wichtig war nur, dass Akemi für sie da war. Sie hatte nie jemanden gehabt, der so mit ihr redete, nicht einmal in der Zeit, als ihre Mama noch bei ihr war.
Mit Akemi zu reden war einfach nur toll! So konnte sie ganz leicht vergessen, dass sie bald einschlafen musste.
Doch all das änderte sich an einem Tag...
Ganz aufgelöst stürmte Akemi an diesem Morgen in ihr Zimmer. "Mama will zurück!", rief sie aufgeregt.
"Zurück?", wiederholte Sayuri. Plötzlich hatte sie Angst - obwohl sie nicht wusste, warum.
"Zurück in Papas Welt!", erklärte Akemi noch lauter. "Sie will da Weihennacht feiern! Sie will, dass wir bis dann da bleiben! Wir gehen dann ganz weit vom Brunnen weg! Sayuri-chan, ich kann auf der Weihennacht nicht bei dir sein!"
"Nicht?" Sayuris Augen füllten sich mit Tränen. "Aber... aber du warst doch jetzt jeden Tag da..." Dann fiel ihr etwas ein. "Ob deine Mama es gemerkt hat? Oder dein Papa?"
"Ganz bestimmt nicht!", versicherte Akemi. "Aber sie wollen bei ihren Freunden sein! Eigentlich darf ich nicht mal hier sein, eigentlich packen schon alle ihre Sachen!"
Hastig streifte sie die Kette über ihren Kopf - die Kette mit den gruseligen Fangzähnen. "Hier! Nimm die! Das ist mein Weihennachtsgeschenk für dich! Ich sag Mama einfach, ich hab sie verloren, sie macht bestimmt eine Neue für mich!" Sie warf Sayuri die gruselige Kette über den Kopf, rannte dann in Richtung Ausgang. "Ich muss gehen, es tut mir leid!"
"Warte...", wollte Sayuri noch rufen, doch schon war der letzte Zipfel von Akemis roter Pluderhose um die Ecke verschwunden.
"Fröhliche Weihnachten, Akemi-chan", flüsterte Sayuri bedrückt.

Es schneite.
Vier Tage vor Weihnachten hatte der Schnee sich endlich entschlossen zu fallen.
Doch Sayuri konnte sich nicht mehr über den Schnee freuen. Immer trauriger sah sie zu, wie die weißen Flocken an die Scheibe hämmerten.
Sie hämmerten auch in ihrem Kopf. Selbst, wenn sie sich noch über den Schnee hätte freuen wollen, hätte sie es nicht mehr gekonnt, denn sie konnte ihn fast nicht mehr sehen. Ihr Blick war voll von anderen, merkwürdigen, weißen Flocken.
Aber das war ohnehin egal. Sayuri hätte gern auf den Schnee, sogar auf Weihnachten und vielleicht sogar auf die gruselige Kette verzichtet, wenn sie doch nur ein einziges Mal noch ihre Freundin wiedergesehen hätte.
Aber Akemi-chan war jetzt sicher in der Welt von ihrem Papa, spielte mit Shippo-chan oder tat sonst irgend etwas Lustiges.
Seufzend wandte Sayuri sich vom Fenster ab, befingerte einen der Fangzähne - und schloss die Augen.

ENDE



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