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22.12.

Autor:
Tsutsumi
Fandom: Neon Genesis Evangelion
Challenge: "Fieber"
Pairing: Andeutungen Touji x Shinji
Feedback: Hier oder auf Animexx


Weihnachtsworte

Es kam wie ein Donnerschlag. Wie ein Blitz.
So plötzlich wie der Stern von Bethlehem, der irgendwann vor 2015 Jahren angeblich am Himmel stand und zu drei Kerlen sagte; `Los, packt euren Kram zusammen, schnappt euch Weihrauch, Gold und Myhrre und ab dafür!
Ganz plötzlich hatte Shinji aus dem Fenster gesehen, nachdem ich meinen Besuch bei ihm angetreten hatte. Sonst tut er das nie. Doch schon als ich einen Fuß in Misato-sans fast menschenleere Wohnung gesetzt hatte, hatte ich gespürt, dass heute etwas ganz anders ist.
Ich kann es nur noch nicht beim Namen nennen.

Ganz plötzlich hatte Shinji diese ominöse Lichterkette im Fenster gegenüber gesehen. Dieses billige Leuchten von 20 Yen-Glühlämpchen, die mit einer solchen Penetranz in die Welt hineinleuchten, dass einem beinahe schlecht wird.
Bestimmt gehört diese Wohnung einem hier stationierten amerikanischen Soldaten. Denen muss man ja bekanntlich nur einen Stechpalmenzweig an den Helm stecken und schon fangen sie vor Rührung an zu flennen.
Ganz plötzlich drehte sich Shinji zu mir um und strahlte mich mit der Begeisterung eines kleinen Kindes an.

„Heute ist Weihnachten! Guck mal, Touji, die Lichter sind heute besonders hell!“

Und dann kippte mir der Junge augenblicklich um.


Hier bin ich also nun.
Eigentlich wollten wir uns DVDs anschauen. Ja, dafür bin ich gekommen. Dafür hat Shinji unter allen Anstrengungen dafür gesorgt, dass Asuka bei der Klassensprecherin übernachtet, hat extra einen Abend herausgesucht, an dem Misato-san arbeitet. Und nun das.
Keine Spur vom „Terminator“, vom „Fünften Element“ oder dem „Herrn der Ringe“.
Während die Stunden vergehen und der 24. Dezember seinem Ende entgegenplätschert, liegt Shinji darnieder in seinem Futon und fiebert.
Weihnachtliche 39,6 Grad.

„Ich bemuttere dich aber nicht!“, sage ich sofort mit der stärksten Bestimmtheit im Tonfall, die ich zustande kriege.
„Das ist unmännlich!“
Dann gehe ich in die Küche, koche ihm einen Kräutertee mit Honig, setze eine Brühe auf und putze dazwischen die Spüle, gehe zurück ins Wohnzimmer, schüttle ihm das Kissen auf, schiebe ihm das Fieberthermometer in den Mund, besorge ihm Taschentücher.

Wie könnte ich ihn jetzt so alleine lassen?

„Es tut mir Leid...“
Shinji beugt sich im Sitzen über die Tasse Tee, die ich ihm irgendwann zehn nach elf Uhr abends reiche.
„Jetzt ist der Filmabend dahin.“
Ich sitze ganz nahe bei ihm. Wenn er nach hinten kippen sollte, werde ich ihm den Rücken stützen.
„Ach was!“, entgegne ich aufmunternd.
„Mach dir darum mal keine Gedanken!“
Und dann lächle ich.

Shinjis Wangen sind so glühendrot, dass seine graublauen Augen dagegen strahlen wie Lichter. Mit fiebrigem Schimmer. Und feuchtgeschwitzt kleben die dunklen Ponysträhnen in seinen Schläfen, verwirrt, eine heiße Stirn freilegend.
Die ich ganz vorsichtig berühre.
„Hauptsache, du kommst wieder auf die Beine...“

Wie furchtbar warm diese Stirn doch ist.
Wie eine kochende Herdplatte. Fast.
Ich lasse meinen offenen Handteller ganz darauf liegen. Und spüre unter der dünnen, blass gewordenen Haut Shinjis fiebrigen Puls zucken, wie einen nervösen Lebensreflex.
Noch nie habe ich meinen besten Freund berührt und dabei soviel Hitze empfunden. In mich übergehen fühlen.
Habe ich ihn denn überhaupt schon einmal großartig berührt...?

„Ich...mach dir deine Brühe schnell fertig!“
Wie ein Gummiband schnippse ich von selbst auf die Beine. Würde ich Shinji noch länger berühren, würde das Fieber in mich übergehen wie ein elender Dämon. So habe ich das Gefühl.
„Ist gut. Kannst du PenPen ein paar Fische aus dem Kühlschrank geben?“
Mit der erhobenen, schmalen Hand deutet Shinji in Richtung Küche.
„Er hat gesagt, er hat Hunger.“

In der gemütlichen Halbfinsternis des Wohnzimmers – ich habe nur eine Schreibtischlampe angeschaltet- saugen sich die Schatten tief in den Augenhöhlen und Mundwinkeln meines besten Freundes fest. Das lässt ihn noch kränker aussehen.
Und ich grunze blöde vor Skepsis.
„Wie? Er hat gesagt..?
„Ja, klar.“, sagt Shinji in einem vorhaltenden Ton, den ich vor Verwirrung fast gar nicht bemerke.
Ich stand schon fast in der Tür eben, höre von weitem das kochende Wasser im Kessel von der Küche her.
„Ich weiß, du bist nicht ganz bei dir“, fange ich amüsiert an.
„Aber Tiere können für gewöhnlich nicht sprechen!“
Fast beuge ich mich über ihn und gebe ihm eine neckende Kopfnuss. Nur im letzten Moment kann ich mich zurückhalten. Mit einem Kranken treibt man keine Späße!

Hinter mir schlüpft- wenn man vom Teufel spricht- der Warmwasserpinguin zum Zimmer herein. Seine Füße machen patschende Geräusche auf dem grünen Teppich und als würde er durch mich hindurchsehen, streift sein desinteressierter, schwimmender Blick an mir vorbei.

Irgendwie mag ich dieses Viech nicht. Seit ich Shinji und Misato-san kenne, hat es mich nicht ein einziges Mal beachtet, geschweige denn eines Blickes gewürdigt. Entweder es ist einfach nur blöd oder tatsächlich so ignorant wie es mir vorkommt.
Man sieht PenPen höchstens mal vom Futternapf zum Kühlschrank und zurückwatscheln. Oder ins Bad, wo er sich ins heiße Ofuro legt, in die Badewanne. Manchmal sehe ich ihn auch beim Fressen; Fisch um Fisch verschlingend. Aber zu mehr ist dieses seltsame Tier scheinbar nicht zu gebrauchen.

„Heute ist aber Weihnachten!“ , unterbricht Shinji meinen Gedankengang und pustet den Dampf von seiner Teetasse weg.
„Ja.“ , grunze ich erneut. „Und?“
Er nimmt einen kleinen Schluck vom Tee und muss ein wenig husten. Ich kann deutlich sehen, wie sein magerer Körper zittert und das Teewasser in der Tasse hin und herschwappt.
„Hast du nicht von der Legende gehört?“ , unterrichtet er mich weise.
„In der heiligen Nacht können Tiere immer sprechen.“

Ich stoße amüsiert Luft durch die Zähne.
„Ach komm!“, sage ich.
„Verarsch mich nicht!“
„Tu ich nicht.“
Jetzt lächelt Shinji zerschlagen. Das Fieber flackert in seinen Augen.
„Es ist wirklich so. Das hat was mit dem Glauben zu tun. Oder so ähnlich. Jedenfalls funktioniert es.“

Für einen kleinen Moment kommt mir ein Film in den Sinn, den ich als kleines Kind öfter im Fernsehen geschaut habe. Irgendeine billige Produktion, eine Verfilmung von Charles Dickens´ Weihnachtsgeschichte.
`Weißt du denn nicht, dass einem an Weihnachten alles wunderbar vorkommt?´ , hat der Geist der gegenwärtigen Weihnachten darin immer gesagt.

„So´n Blödsinn!“, sage ich laut, eigentlich mehr zu mir als zu Shinji.
Weihnachten- das hat sich doch schon vor frühestens fünfzehn Jahren erledigt. Nach dem Second Impact hat es nie wieder geschneit, beinahe auf der ganzen Welt. Es ist, als ob mit dem Winter so vieles gestorben ist. Schnee...und Winter, das sind sinnlose Worte für mich, völlig frei von jeglichen Assoziationen, Emotionen, Erinnerungen. Sie sind einfach vergangene Worte, wie Dinosaurier. Und unwirklich.
Und mal ehrlich- in solchen himmelhoch schreiend schlechten Zeiten wie diesen feiert doch eh kein Idiot mehr Weihnachten. Es sei denn, er ist ein Kind oder Amerikaner. Oder beides.

Ganz langsam lasse ich mich wieder in die Hocke sinken vor Shinjis Futon.
Von irgendwoher ertönt das nervige Gedudel eines Weihnachtssongs- wie passend. Woher das kommt, kann ich nicht sagen. Die Wände sind dünn.
Doch all das Gequatsche hat trotz allem eine Effekt; meine Verlegenheit vor Shinji ist plötzlich wie weggeblasen.

„Du bist überreizt!“, versuche ich ihn sanft zu trösten.
Und dann fassen meine Finger nach seinem klammen T-Shirt, fühle ich seine sich regelmäßig hebende und wieder senkende Brust an meinen Fingerkuppen. Irgendwie ungeheuer weich...und noch immer so warm.
„Wenn man so hohes Fieber hat, spielen manchmal die Sinne verrückt.“

Er widerspricht mir nicht. Allein seine Augen ruhen auf mir, meinem Gesicht. Es ist, als würde er wie durch einen Tunnel zu mir heraufsehen. Zwischen all der Hitze, die ihn da drinnen gefangen hält. Für einen Moment verharren wir reglos.
Nur wir. Und der Weihnachtssong über uns.

„Komm.“, murmele ich sanft;
„Schlaf ein bisschen. Halbe Stunde. Dann wird das schon!“
Vorsichtig berühre ich Shins Stirn. Beinahe streichelnd, im Takt des Liedes, welches um uns herumhallt.
Bis ihm die Augen wirklich zuklappen.

`Findest du nicht auch, dass an Weihnachten einem alles wunderbar vorkommt? Einfach alles?´

Es ist kurz nach ein Uhr nachts, als ich gedankenverloren im Wohnzimmer sitze, in Dunkelheit versunken und allein. Ab und zu nehme ich einen Schluck Brühe; schlürfe ganz leise. Schaue hinüber zu meiner linken Seite und behüte den Schlummer meines besten Freundes.
Manchmal seufzt er im Fieberschlaf oder reckt seinen Hals, wirft den Kopf herum. Und doch schläft er so reglos wie es nur ein Kranker kann. Beinahe ohne Herumwälzen.
Und rechts neben mir sitzt der Warmwasserpinguin, einen Fisch nach dem anderen verschluckend.

Wenn dieses blöde Weihnachtsmärchen wahr wäre, hätte das Vieh sich vorhin wenigstens bedankt, als ich ihm das stinkende Futter aus dem Kühlschrank zerrte, denke ich und streiche immer und immer wieder nachdenklich mit den Fingern durch meine Haare.
Bis das Gel fast `rausgestrichen´ ist.
Aber der Vogel blieb stumm wie einer der Fische, die er ohne zu kauen verschluckt.
Shinjis Fieberlegende stimmt also nicht.
Entweder das oder PenPen ist extrem unhöflich.

Als ich aus dem Fenster sehe, erschrecke ich beinahe.
Die Lichterkette...diese komische, billige Lichterkette strahlt mich von gegenüber an, dass ich tief in mir so etwas wie Rührung empfinde. Zwischen all den dunklen, verschlafenen Wohnungsfenstern wirft die Kette das Licht in das Viertel hinein. Es braucht dafür keinen Schnee und keine Null Grad.
Es sieht überwältigend aus.
Haben sich die drei Könige auch so gefühlt als sie den Stern von Bethlehem erblickten?
Die Hirten? Die Schafe...?

Skeptisch wende ich meinen Blick zum Vogel neben mir.
Nein, das kann nicht sein.
Noch nie hat ein Tier bisher allein und selbstständig gesprochen, weder in der Weihnachtsnacht noch sonst irgendwann.
Oder?

„Hättest ja wenigstens mal Danke sagen können.“, murmele ich wie geistesabwesend in die Stille hinein.
„Dass ich dein blödes Fressen rausgeholt habe.“
Ich ziehe meine Unterschenkel an meinen Körper heran und verschränke sie zum Schneidersitz.
„Aber scheinbar redest du ja nur mit Shinji!“
`Schlaf in himmlischer Ruh´..´, hallt es leise durch die Wände.
Der Himmel über der Stadt leuchtet dunkel in einem seltsamen Blaulila, getupft mit ein paar Sternenpunkten.
Weihnachten.

Naja.
Vielleicht ist es ja doch nicht so übel. Auch ohne Schnee und Friede-Freude-Eierkuchen-Attitüde.

Neben mir macht es ein paar watschelnde Geräusche.

„Ich spreche nur mit höflichen Leuten!“, sagt eine quäkende Stimme so plötzlich, dass ich meine Augen tellerweit aufreiße und mir der Atem stockt.
Die Stimme klingt ungeübt und uralt, wie ein Geheimnis. Und sie spricht mit mir!
„Und du bist reichlich unhöflich!“

Ich muss mich angesteckt haben. Ich muss mich angesteckt haben, mir geht´s nicht gut!
Zitternd sitze ich da und starre den Pinguin an, der durch seinen Schnabel Worte presst und langsam Richtung Tür watschelt.
„Aber immerhin kümmerst du dich um Shinji. Das ist gut, ganz im Sinne von Weihnachten!“
Er zwinkert mir zu.

`An Weihnachten erscheint mir alles wunderbar. Wie in ewiges Leuchten in der Dunkelheit´

ENDE



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