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Frohe Weihnachten!

Heute bekommt ihr die volle Weihnachtsdröhnung - es sind sogar drei Beiträge drin. ^_~ Viel Spaß damit - ich bin sicher, den habt ihr.

Was ich vor allem anderen auch noch sagen wollte: Danke!
Vielen Dank für die Leute, die so viel Feedback geschrieben haben, die ihre Beiträge immer noch rechtzeitig abgeliefert haben und unseren Adventskalender mit wunderschönen Geschichten beliefert haben - und dank denen das ganze hier überhaupt möglich war. Danke auch an Maddle, Selia, Tsumi und Nyx, die mir hinter den Kulissen unglaublich geholfen haben und ohne die ich das niemals geschafft hätte.
Ihr seid alle ganz wunderbar. ^__^


24.12.

Autor: Kamari
Fandom: Digimon
Pairing: Taito
Challenge: “Weihnachtswunder”
Feedback: Hier im GB oder auf Animexx
Kleine Info zum Text: Bei jedem "~" wechselt meistens die Zeitform. Bei jedem "*" wird ein Zeitsprung beschrieben.
Viel Spaß!

'some kinda christmas tale'

.~.~.~.~..~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.

Weihnachten ist eine so besinnliche Zeit. Alle Welt kommt zusammen, ist beienander und feiert. Und es ist die Zeit, die einen wundervollen Zauber innehat...

~

[Weihnachten vor 14 Jahren]

"Es tut mir leid! Bitte, mach, dass meine Wünsche wieder umgekehrt werden!"

Ein kleiner, weinender Junge rennt davon.

*
[Weihnachten vor 3 Jahren]


Mein Blick richtet sich gen Fenster. Weiße Schneesterne regnen vom Himmel nieder, streifen die warme Glasscheibe und zerschmelzen zu kleinen Wasserperlen. Vorsichtig lege ich meine Hand auf die kühle Glaswand, hauche leicht mit meinem Atem dagegen. Eine Dunstschicht bildet sich auf ihr. Mit einem Finger zeichne ich ein kleines Haus hinein. Nach kurzer Betrachtung wird das Haus mit einer leichter Handbewegung hinfortgewischt. Meine Augen richten sich wieder nach draußen. Keine Dunstschicht mehr, die mein Blickfeld behindert, keine Schranken mehr, die mich festhalten... Doch immer wenn ich versuche auszubrechen, sehe ich die durchsichtige Mauer nicht, die mich noch immer hier gefangenhält. Sacht schüttele ich meinen Kopf und seufze.
Ich blicke auf den Küchentisch. Eine kleine trostlose Kerze ziert ihn, erhellt das dunkle Zimmer mit schwachem, schummrigen Licht. Langsam lasse ich mich auf einen Stuhl gleiten, lege meinen Kopf auf die harte Tischplatte. Glasig starre ich das kleine Lichtlein vor mir an.

"Merry Christmas..."

In mir schwellt Melancholie an. Dieser Tag bringt so viele schlechten Erinnerungen mit sich. Mit einem Kopfschütteln verbanne ich die Gedanken. Ich bin schon den Rest des Jahres depressiv...
Mein Blick wandert langsam durch den dunklen Raum, dann aus dem Fenster. Draußen sind die Straßen verschneit, die Dächer weiß. Und immer weiter fallen die weißen Sterne vom Himmel. Schummrig dringt das Licht der bunten Weihnachtslichter bis zu mir durch. Meine Augen wandern weiter, bis zu meinem Mantel, der auf dem nebenstehenden Stuhl lieblos hingeschmissen liegt. Plötzlich dringt ein Gedanke bis zu meiner Bewusstseinsebene durch. Mein müder Arm hebt sich ein wenig, erreicht die Tischplatte. Immer weiter robbe ich ihn gen Mantel, doch ich erreiche ihn nicht. Schließlich entschließe ich mich dazu, meinen Kopf ein wenig anzuheben, um das warme Bekleidungsstück doch noch erreichen zu können. Meine langen, dürren Finger krallen sich in den filzigen Stoff, ziehen ihn näher zu mir. Mit einem Seufzen lasse ich mir den Mantel um die Schultern gleiten. Ich schlüpfe schließlich gänzlich hinein und richte mich auf. Frische Luft wird mir gut tun...
Meine Beine treiben mich Richtung Tür. Mit einem Handgriff landen Handy, Schlüssel und Taschenwärmer in der Manteltasche und mit einem Knall lasse ich Trostlosigkeit in diesem kalten Raum zurück.

*

Inmitten der Menschenmenge verliere ich mich. Ich fühle Sympathie zu den vielen fremden Menschen, zwischen denen ich mich bewege. Wie sie geschäftig miteinander reden, lachen... Ein Lächeln ziert meine Mundwinkel, doch es wirkt erschöpft und traurig. Es ist nicht so, dass ich es so wirken lassen möchte... Aber seit einigen Jahren ist mein Lachen nicht mehr unbeschwert.
Ich seufze erschöpft. Meine Haare sind schon leicht durchnässt. Doch bevor ich den Entschluss fassen kann, nach Hause zu gehen, türmt sich vor mir ein riesenhafter Weihnachtsbaum auf. Meine Augen weiten sich. Der matte Glanz der vielen bunten Glaskugeln, das weiche Licht. Langsam schließe ich meine Augen, schüttele mit dem Kopf. Ich trete noch ein wenig näher heran, bemerke eine Art Bank, die unter diesem riesigen, bunt leuchtendem Baum aufgebaut ist. Ich lasse mich auf ihr nieder, ziehe meine Beine an meinen Körper. Ein ironischer Unterton mischt sich unter mein Lächeln. Ach ja, da werden Erinnerungen wach...

*

Und so sitze ich hier, beobachte, wie der Schnee fällt, beobachte die vielen Menschenmassen, die sich hastend durch die Einkaufsstraßen zwängen, beobachte die vielen schimmernden Lichter... beobachte allein. Ein bekanntes Gefühl. Müde lasse ich meine Augen ein wenig zufallen, sehe die Welt in einem weichem Schimmer. Ein bedrücktes Seufzen entfährt meinem Mund. Ein leichtes Ruckeln verrät mir, dass sich jemand neben mir niederlässt, doch es interessiert mich nicht, lasse weiterhin unbeeirrt meinen Blick schweifen. Meine Nase kräuselt sich leicht, nimmt den Geruch von Zimt und frischer Tanne wahr. Langsam lege ich meine Kopf ein wenig schief, lächle leicht. Irgendwie gefällt es mir hier. Meine Gedanken sind ruhig, mein Kopf so unglaublich klar. Es ist, als ob die Welt einen Zauber innehat, doch niemals zu zeigen wagt...
Eine Stimme zieht meine Aufmerksamkeit auf sich.

"Hallo, mein Name ist Taichi."

Meine Augen wandern nach rechts, versuchen den Ursprung meiner Störung zu finden. Sie kreuzen den Blick von zwei tiefbraunen Augen. Der matte Glanz der vielen Christbaumkugeln spiegelt sich in ihnen wider, geben ihnen einen geheimnisvollen Ton.
Ich nicke ihm zu, drehe mich aber wieder der Menschenmenge zu. Von irgendwo her ertönt ein alter Weihnachtsschlager. Mit leiser Stimme summe ich mit, wiege leicht mit meinem Körper im Takt mit. Ein Kichern von rechts. Mein verärgerter Blick huscht zu Taichi. Sein Gesicht ist gerötet von der Kälte.

"Du singst schief..."

Und wieder ertönt sein helles Lachen.

"Tu ich nich..."

Hach nein, bin ich etwa ausnahmsweise nicht depressiv? Nein, ich bin verärgert.
...
Ich schüttele den Kopf. Sarkasmus... ein alter und zur Zeit selten gesehener Freund...

Mit einem lieben Lächeln auf den Lippen dreht sich Taichi vollends zu mir um.

"Nein, tust du nicht. Du hast eine sehr schöne, weiche Stimme."

Große Augen starren Taichi an. Ein Kompliment? Dankend nicke ich ihm zu, betrachte ihn aus dem Augenwinkel heraus. Trotz der sonnenlosen Wintermonate ist seine Haut dunkel. Seine braunen Haare stehen ihm wild vom Kopf und schimmern vor Schneeflocken. Der Blick von unergründlichen Augen kreuzen den meinen. Schnell wende ich meinen Kopf ab und starre auf die vielen Schuhe der vorüberziehenden Passanten.

"Sieh dir den an."

Mit seinem Finger zeigt Taichi auf einen als Weihnachtsmann verkleideten Mann. Er rennt umher, versucht verzweifelt noch Passanten dazu zu bewegen, in seinem Laden noch etwas zu kaufen. Ein armer Kerl.

"Was denkst du? Ein bemitleidenswerter Mensch?"

Ertappt. Meine Wangen röten leicht an, doch die Hitze verschwindet sogleich. Taichi fühlt sich jedoch bestätigt, denn er redet nach einem kurzen Nicken und einem Lächeln weiter.

"Aber sieh ihn dir an... selbst er hat ein Zuhause, in dem man ihn erwartet."

Ich zucke zusammen. Meine Zähne beißen auf meiner Unterlippe herum, mein Gesicht fängt an zu glühen. Tief ziehen sich meine Augenbrauen hinunter, lassen mein Gesicht verzerrt und dunkel wirken. Woher...?

"Was ist wohl passiert, dass ein Mensch an einem solchen Abend ganz alleine ist?"

Ein freundliches Lächeln bildet sich auf seinen Lippen. Wütend starre ich zu ihm hinüber.

"Was geht dich das an? Du bist doch selbst allein!"

Trauriges Lächeln als Antwort. Er schließt die Augen, scheint nachzudenken. Schließlich öffnet er sie wieder, sieht mich mit einem Gemisch aus Verbitterung und Trauer an.

"Ja... jeder hat wohl seine Gründe..."

Eine leichte, hinwerfende Handbewegung unterstützt seine Aussage. Mit seinen Händen rückt er näher an mich heran, legt seinen Kopf auf meine Schulter. Ich erschrecke zuerst, doch dann entspanne ich mich, genieße die Anwesenheit dieses fremden Menschen. Und obwohl er mir so fremd und fern erscheint, habe ich das Gefühl, er ist schon immer da gewesen...

"Darf ich wissen wie du heißt...?"

Taichis geflüsterte Stimme dringt an mein Ohr. Seine weichen, seidigen Haare kitzeln mich ein wenig im Gesicht.

"Yamato..."

~

Und so saßen wir da, zwei Fremde, nie gesehen, nie gekannt, beieinander, träumend. Die Welt zog an mir vorbei, doch ich war hier, zusammen mit Taichi... Meine Hand suchte vorsichtig die seine, fand sie und umschlang sie sanft. Wie lange wir hier saßen wusste ich nicht... aber es war mir egal.

~

"Yamato... ein schöner Name."

Ich genieße die dunkle Stimme Taichis.

"Warum sitzt du hier?"

Mein Gesicht verberge ich in seinen Haaren, rieche den frischen Duft von Zimt. Ein leises Seufzen entrinnt meinem Mund. Meine Stimme ist nicht lauter als ein Wispern.

"Wieso bist du so?"

Meine Augen suchen die seinen. Mit verzweifeltem Blick versuche ich irgendetwas in ihnen zu finden, dass erklärt, warum... Ich schüttele meinen Kopf.

"Wieso ich so bin?"

Ein warmes Lachen ertönt neben mir, hüllt mich ein in seinen dunklen Klang.

"Wieso fragst du das dich nicht selbst?"

Verwirrt sah ich ihn an. Wieso ich es mich nicht selbst frage?

"Wie meinst du das?"

Leise geflüsterte Worte. Ich fühle mich plötzlich so klein und verletzlich, dass ich meine Arme dichter um mich schlinge.
Wie kann er so tief in mich sehen, dass es mich schon fast zu ersticken droht? Hör auf damit...

"Wieso bist du so? Wieso bist du hier, ganz alleine?"

Ein trauriges und doch warmes Lächeln erscheint auf seinem Gesicht. In meine Augen schießen Tränen. Mit einer Hand versuche ich hastig, sie mir aus den Augen zu wischen, doch plötzlich spüre ich zwei Arme um mich und eine vertraute Stimme an meinem Ohr. "Yamato, weine..." Und ich weine, schreie... ich lebe wieder. Worte sprudeln aus meinem Mund, erzählen Taichi meine eigene kleine Geschichte. Und er hört zu.

"Damals... ich war noch klein. Ich glaubte an alles was man mir erzählte, die Zahnfee, den Osterhasen, "Wünsche am Weihnachtsabend gehen immer in Erfüllung". Eines Weihnachtens habe ich mir Glück, Gesundheit und ein langes Leben für mich und meine Familie gewünscht... ich habe wirklich daran geglaubt. Am selben Abend, wollten wir zu einer Tante fahren, die immer allein zu Weihnachten ist... doch ich habe mich gewehrt. Ich wollte nicht fahren, wollte nicht die Sendung im Fernseher verpassen... Schließlich hatte ich mich mit allen gestritten und hatte mich im Zimmer eingeschlossen. Nach einer Stunde hoffnungslosen Klopfens und Bittens gaben sie es auf. Sie riefen mir durch die Tür zu, dass sie nun zur Tante fahren und meinen kleinen Bruder mitnehmen würden, da er Angst hatte. Stur öffnete ich auch nicht auf ein letztes Bitten und Betteln meiner Eltern. Als ich dann schließlich die Haustür zufallen hörte, weinte ich, widerrief meine Wünsche und verfluchte sie alle. Und dann... fuhr irgendein Arschloch sie an. Mein Bruder war sofort tot, er war ja noch so klein... Meine Eltern starben noch am selben Abend im Krankenhaus. Man rief mich an, bat mich ins Krankenhaus zu kommen... Doch ich kam zu spät. Sie waren schon tot, als ich ankam. Verrückt vor Schmerz bin ich schließlich... hierher gekommen... habe den Weihnachtsmann darum gebeten, meine Wünsche rückgängig zu machen, doch es half nichts mehr..."

~

Der Schnee fiel immer weiter, wortlos saßen wir da.
Fest in deinen Armen, sicher in deiner Obhut...
Wer hatte dich zu mir geführt? Wie kam es, dass wir uns beide getroffen haben...?
Schicksal?
Fester schmiegte ich mich an dich, in deine Arme.
Meine Lippen formten ein Lächeln, meine Wangen zierten eine leichte Röte.
Müdigkeit befiel meine Augen und meine Lider sanken herab.
Ein letzter geflüsterter Satz Taichis begleitete mich in den Schlaf.

"Schlaf gut, Yamato. Vergiss mich nicht..."

Und ich wollte nie wieder in den Armes eines Anderen liegen.


~

Als ich damals aufwachte, lag ich allein auf der Bank, inmitten der belebten Straße. Das Einzige was mir von dir blieb, war die bitter-süße Erinnerung an dein warmes Lächeln... Ich habe dich nie wieder gesehen. Sehnsucht nach dir raubt mir noch heute den Schlaf.
Aber ich bin noch hier, lebe... weil du es doch so wolltest.
...Weil ich auf dich warte.
.~till next eternity, my dear~.


THE END



*************





Autor: EvilMokuba
Fandom: Yu-Gi-Oh
Pairing:: Heut mal nix, nur Familie. Hab überlegt, Kaiba noch als Jonouchis Liebsten mit einzubringen, hab´s dann aber aus Rücksicht auf Umi unterlassen.
Challenge: “Familienbande”
Feedback: Hier im GB oder auf Animexx
Notiz: Der kleine Songtext zu Beginn is von Green Day & die Grundidee für die Geschichte ist aus der 5. Season von „The Sopranos“ *mit unwichtigem Popkultur-Wissen rumschmeiß*. Mal ein etwas anderer Jonouchi zum Fest.^^
Gewidmet: Felix...der überhaupt keinen Plan von YGO hat, aber trotzdem das beste Weihnachtswunder von allen ist.


drain the pressure from the swelling,
the sensation´s overwhelming,
give me a long kiss goodnight
and everything will be alright
tell me that I won't feel a thing
so give me Novocaine.


Es wussten nur die wenigsten...aber es existierte ein Mensch in Jonouchis Leben, der nicht den blassesten Schimmer davon hatte, dass Jonouchi für seine Große Klappe bekannt war, oder dass er überhaupt eine hatte.
Der nicht wusste, dass Jonouchi in Duel Monsters-Kreisen der zäheste kleine Wadenbeißer von allen war, der sich auch nach dem übelsten Absturz wieder aufrappelte.
Dass Jonouchi berühmt war für seine Sturheit, und dafür, in peinlichen Momenten selbst den blödesten Witz über sich zu reißen, bevor andere dazu kamen.

Einen Menschen, der nicht mal ahnte, dass dieser vorlaute, dickköpfige, unermüdliche Quirl überhaupt in Jonouchi drinsteckte, oder der es vielleicht mal wusste, und vergessen hatte.

Der Jonouchi – so unglaublich das klingt – nie lächeln sah.

Und eben dieser Mensch trieb ihn in dieser Nacht, im wüstesten Schneegestöber, über den Parkplatz des Domino-Krankenhauses.

Es war das Krankenhaus für die Vergessenen und Elenden...nicht etwa die flotte Klinik am anderen Ende der Stadt, wo sie Privatzimmer und adrette Springbrunnen und Duftbäumchen hatten.

Fröstelnd schob der Blonde die Hände in die Taschen seiner viel zu dünnen Hose, während er sich im roten Flackern der Sirenen über den Parkplatz bewegte. Eigentlich war die Hose nur für den Sommer, aber so´n paar Monate musste die es noch machen, auch wenn seine Eier darin vor Kälte zur Unkenntlichkeit verschrumpelten. Er hatte keine andere.

Beinahe blind schritt er durch die Schiebetür aus Glas, die sich lautlos vor ihm öffnete wie die Tür eines UFOs, und steuerte einen bestimmten Flur an, den er schon kannte.

Er hatte in seinem Leben wirklich schon viel zu viel Zeit in diesem Laden zugebracht.
Trotzdem konnte Jonouchi es nicht lassen, sich wieder zu fragen, warum irgendwer entschieden hatte, die Krankenhausflure auch noch in diesem widerlichen Matsch-Grün anzustreichen, das entfernt an den Hulk erinnerte und einen nur noch depressiver machte.

Keiner beachtete den zerrupften blonden Teenager, der sich mit abwesendem Blick, wie ein Schlafwandler, durch die Flure bewegte. Die Leute, die in weißen Kitteln um ihn rumfleuchten, hatten wirklich Wichtigeres zu tun.

Es war Heiligabend, und Jonouchi wusste, was das bedeutete. Die Gewohnheit hatte ihn lernen lassen, dass an keinem anderen Abend die armen Schweine von Domino in solchen Massen an die Oberfläche krochen wie heute.

Schnapsleichen mit blutenden Nasen, die man aus irgendwelchen weihnachtlichen Kneipenschlägereien rausgezerrt hatte. Mit Tabletten vollgepumpte verhinderte Selbstmörder. Penner, stockblau vor Kälte und Alkohol, die immer noch „O du Fröhliche“ vor sich hinlallten, obwohl nun wirklich nichts fröhliches an der Sache dran war.

Und mitten drin, nicht besonders überraschend...

„Dad?“

„Kleiner?“

Jonouchi kniff die Augen zusammen, als er den Haufen aus Gips und Bandagen auf dem Bett erblickte. Am liebsten hätte er sich die Augen zugehalten, wie früher, aber leider war er nicht mehr fünf. Zu blöd.

Stattdessen suchte er sich einen dieser arschunfreundlichen Plastikstühle und zerrte ihn mit einem trockenen Knarren ans Bett, bevor er sich behutsam draufsetzte.

Der Geruch von...irgendwelchen Mitteln halt, mit denen man Wunden verkleisterte...stach ihn in die Nase.

Aber offenbar hatten sie dem Alten noch nicht die volle Morphium-Breitseite verpasst, denn er schielte seinen Sohn wachsam aus dem einen Auge an, das er noch öffnen konnte.

Jonouchi holte tief Luft und überwand sich, ordentlich hinzusehen. Er versuchte, den Schaden abzuchecken.

Es war schlimmer als letztes Mal, aber entschieden weniger schlimm als manche Male zuvor. Wenn sein Dad Glück hatte, konnte er in einer Woche wieder raus sein...um wieder ins Casino zu rennen. Oder vielmehr zu humpeln.

Glück oder Pech... wie man´s nimmt.

Zunächst sprach keiner von ihnen, und Jonouchi fiel auf, wie vertraut ihm der Anblick seines Vaters mit Gebrochener Nase war. Diese massive blauviolette Delle mit der weißen Gipsschiene darüber. Jonouchi fragte sich, wie oft man diese Nase wohl noch brechen konnte, bis sie einfach abfiel.

Er hätte nun verdammt noch mal am liebsten angefangen zu heulen...wenn er der Typ wäre, der heulte, wenn sein Dad der Typ wäre, der es tolerierte.

Stattdessen nahm er sich eine Minute, die sich wie eine knappe Stunde anfühlte, Zeit, umständlich seine langen Beine mal so, mal so übereinander zu schlagen, bis ihm einfiel, was er Nettes sagen konnte. Zu einem Mann, der aussah, als habe man ihn in die Waschmaschine reingezwängt und „Schleudern“ eingestellt.

„Ähm...“ Jonouchi war sich ziemlich sicher, dass Beschönigungen nicht das Richtige waren. Als fragte er einfach: „Haben die schon wieder deinen Arm erwischt?“

Sein Vater stieß ein missmutiges Grunzen zwischen seinen Bandagen hervor.
„Den Arm. Und den anderen Arm. UND das Bein. Und frag bloß nicht nach meinen Zähnen.“

Jonouchi pfiff durch die Zähne. „Wow – SO viel Geld schuldest du denen?!“

Er würde niemals begreifen, wie sein Dad es immer wieder packte, an einem einzigen Abend so viele Spielschulden zu machen. Er war zwar selbst ein Profi im Verlieren...trotzdem.

All das Geld. Das sein Vater nicht hatte. Und er auch nicht. Überhaupt niemand.

„Guck nicht so!“ Die kleine Grimasse war seinem Dad nicht entgangen. „Ich hatte die totale Glückssträhne! Die Scheine sind mir fast von selbst in die Tasche geflogen, verstehst du?! Wie hätte ich da Schluss machen sollen? Wir hätten das Große Haus in der 24en haben können...und ich hätt meinem Kleinen die Uni zahlen können...“

Jonouchi sah das ferne Glänzen in dem unversehrten Auge seines Vaters. Er wusste, dass er sich am Spieltisch sah...wie er siegte und siegte und siegte. Und Jonouchi kannte den Glanz...seine Augen machten das auch, wenn er beim Duel Monsters eine besonders clevere Karte aufdeckte (wie er dachte). Er kannte das Gefühl.

Das machte ihm Angst.

„Und dann...“ Sein Vater stöhnte, und Jonouchi wusste, was nun kam.

„Und dann muss irgendeine Arschgeige vom Casino an den Karten rumgemacht haben...plötzlich hab ich nur noch verloren. Aber ich dachte an dich, weißt du, ich muss doch meinem Kleinen die Uni....die blöden Schweine. Das war irgendein dreckiger Trick, und dann standen diese zwei Gorillas hinter mir... – „

„Ähm, he, ich hab hier was für dich.“ Jonouchi wollte den Schluß nicht hören. Musste er auch nicht, denn den Teil kannte er. In vielen Farben und Formen.

Es gelang ihm, seinen Dad abzulenken, indem er ihm die braune Papiertüte in den Schoß fallen ließ. Die braune Papiertüte, die er eben noch schnell im Spätkauf erstanden hatte, indem er den Bodensatz seines Dispokredits auskratzte.

„Wasn das?“

„Ähm. Geschenk. Frohe Weihnachten, Dad. Und so.“

Die Hände seines Vaters waren zu vergipst, als dass er es selbst hätte machen können...also schüttelte Jonouchi die Tüte selbst aus und leerte sie auf die starren weißen Laken.

Er war sich ziemlich sicher, dass sein Geschenk ins Schwarze traf.

Eine Dose Light Bier, ein Päckchen Zigaretten, und ein Heftchen, irgendwas mit Autos.

Das Grinsen, das sein Vater aufsetzte, wirkte ziemlich komisch, weil seine angedickte Nase zur Zeit nicht zum Rest des Gesichts passen wollte.

Und wow...die hatten bei den Zähnen aber wirklich zugelangt.

Trotzdem war das zahnlückige Grinsen irgendwie ansteckend, so ein bisschen. Jonouchi schob seinem Dad eine Kippe zwischen die wunden Lippen und zündete sie an. Der Alte runzelte die Stirn.

„Bier kann ich aber nicht. Bin bis oben hin voll mit Novocain, weißt du. Knallt aber auch nich schlecht.“

„Macht nix.“ Jonouchi schnappte sich das Bier und vernichtete zwei Drittel in einem Schluck.

Irgendwo in einem hübscheren Teil der Stadt, das wusste Jonouchi, hatte Anzu in ihrem Zimmer sämtliche Lebkuchenbestände der Umgebung angerichtet und die Fenster mit Kunstschnee-Rentieren besprüht.
Wahrscheinlich brannten schon die Kerzen, während Yuugi Anzu verklemmt lächelnd sein Geschenk hinhielt und Honda „Weihnachten mit Elvis“ in die Anlage legte.

Er hatte ihnen erzählt, er müsse noch was erledigen, er würde später dazukommen, vielleicht. Nö, nix besonderes. Nicht der Rede wert. Nur so ne Sache.

Mitten im Ziehen an seiner Kippe stutzte sein Dad. „Oh Scheiße,“ knurrte er. „Und ich hab nix für dich.“

„Is doch egal.“ Jonouchi peilte mit der leeren Bierdose den Papierkorb an und verfehlte ihn nur knapp.

„Nee ohne Scheiß mal, Kleiner...wenn ich wieder raus bin, dann lad ich dich ein in diesen Pizzaladen, den du so magst, und du bestellst, was du willst, und wir fressen uns mal ordentlich durch. Das klappt schon, ich hab ein, zwei Leute, die schulden mir noch was...!“

„Dad?“

„Wasn?“

Jonouchis Stimme war leise, schüchtern. Wer ihn nur auf dem Schulhof oder auf dem Duellplatz rumbrüllen hörte, hätte nie geglaubt, dass er solche Töne überhaupt hervorbringen konnte.

„Lass mich doch mal bezahlen.“

Das verquollene Musauge wirkte argwöhnisch. „Woher hastn du das Geld?! Baust du wieder Scheiße?“

Er hatte es schon wieder vergessen.

Jonouchi seufzte entnervt. „Ich mach doch Duel Monsters.“

„Hä?“

„Hab ich dir erzählt. Duel Monsters?“

„MonsterWAS?“

„Die Kartenspielsache, weißt du noch...?“

„Ach...das...“ Jonouchi sah zu, wie der Kopf seines Vaters in Zeitlupe in die Kissen sackte. Was immer da aus diesem kleinen Beutel in seine Venen tröpfelte, allmählich begann es zu wirken. „Deine Kartenspielsache... Und? Läuft das Gut?“

„Sicher, klar doch.“ Draußen, in den Fenstern, wurden allmählich die ersten durchgeknallt blinkernden Weihnachtsleuchten ausgeknipst. Der massive Bierbauch, der mit seinem Dad das Krankenzimmer teilte, schnarchte vor sich hin. Heiligabend war abgehakt, die Stadt legte sich schlafen. „Läuft alles bestens, Dad.“

Er entdeckte einen winzigen Quadratzentimeter Finger, der nicht komplett eingegipst war, und legte die Hand darauf. Er war sich ziemlich sicher, dass sein Vater schon ins Novocain-Koma versunken war, als er plötzlich noch einmal seine Stimme hörte.

„Jonouchi...?“

„Mhm...?“

Sein Dad hörte sich ein bisschen anders an...komischerweise hörte er sich, so von Schmerzmitteln vernebelt, plötzlich klarer an als nüchtern. Als wäre ihm eben vor dem Eindämmern noch etwas wichtiges eingefallen.

„Jonouchi...? Wann bin ich so Geworden...? Wann ist das hier aus mir Geworden...?“

Jonouchi merkte, dass ihm ein Ziegelstein quer im Hals steckte. Auf alle Fälle musste er schlucken.

„Gar nicht, Dad. Du warst nie anders.“

„Echt?“

„Echt.“

Das kleine freie Stückchen Finger wanderte sanft über Jonouchis Hand.
„Du bistn prima Kerl, Kleiner.“

„Danke, Dad.“

Jonouchi verkniff sich, zu sagen, dass sein Vater zwei Köpfe kleiner war als er.


ENDE.


Y-ARGH! Wir haben´s durchgezogen! Der ADK ist komplett & alle leben noch. Das haben wir prima hingekriegt.^^ *alle Teilnehmer noch mal kurz verehr*

Ich wünsch allen heute viel Spiel, Spaß und Schokolade unterm Baum! Der dicke Mann mit der Mütze ist in der Stadt (ich meine NICHT Sido!), also lasst es ordentlich krachen.

Lieben Gruß, EM.





***************





Autor: Azra
Fandom: Yu-Gi-Oh
Pairing:: Joey / Seto
Challenge: “Glühwein III”
Feedback: Hier im GB oder auf Animexx
Musik: Placebo *luvluvluv*
Kommentar: Ganz egal, wie viel manche von euch schimpfen mögen, es ist Puppy shipping und es bleibt Puppy shipping ^^°.
Hier ist nun der letzte Teil, ich wünsche euch viel Spaß damit und allen ein frohes Fest!
Fühlt euch alle einmal virtuell durchgeknuddelt ^^, Az


Lektion 4: Trinkt aus Kameraden, yoho!


„Bist du verrückt geworden? Hör auf damit, das tut doch weh!“
Ungehalten entreiße ich Wheeler meine Hand, berge sie schützend an meiner Brust.
Der Blonde schaut mich unschuldig an.
„Was denn? Ich wollte doch nur helfen.“
Nur helfen, klar, so sieht er aus! Wer’ s glaubt, ist selber Schuld.
„Jetzt stell dich doch nicht so an.“
“Ich will mich aber so anstellen“, fauche ich ungenießbar zurück, schaue demonstrativ zur Seite. Mein Blick gleitet über die blinkenden Buden, die für jeden Epileptiker das Ende wären. Von hier oben hat man eine gute Aussicht, in
der Ferne kann ich sogar verschwommen die Umrisse der Kaiba Corp. erkennen.
Hier oben?
Ja, ich stehe weit über den Dingen, besser ich sitze und... also um es akurz und schmerzlos zu machen, ich bin in einem Riesenrad.
Jawohl, Seto Kaiba, Jungunternehmer und mehrfacher Millionär sitzt in einem Riesenrad- Applaus für Joey Wheeler!
Denn nur seinetwegen bin ich überhaupt hier. Warum eigentlich?
Wäre ja nicht so, dass ich sonst alles tun würde, was diese Katastrophe auf zwei Beinen von mir will. So genau weiß ich das auch nicht mehr, aber ich meine mich dunkel an „schöne Aussicht“ und „Du hast ja nur Schiss.
Höhenangst, Kaiba?“ zu erinnern.
Pah, ich und Höhenangst.
Höhenangst, allein für den GEDANKEN, ich könnte IRGENDEINE Schwäche haben, sollte ich ihn rädern und vierteilen lassen, wenigstens ein bisschen.
Höhenangst, dass ich nicht lache! Dann müsste mir schlecht werden, wenn ich nur auf meine Schuhspitzen schaue, bin schließlich nicht so ein kleiner
Erdnuckel wie er.
... na gut, SO klein ist Wheeler auch wieder nicht, aber immerhin kleiner als ich und damit hat er das Prädikat „klein“ verdient.
„Du bist vielleicht eine Memme.“ Seine Stimme reißt mich aus meinen Gedanken.
Langsam, tödlich langsam drehe ich den Kopf wieder zu ihm.
„Wie war das?“ Mein Ton darf ruhig als mörderisch bezeichnet werden, doch ich fürchte, im Laufe der Jahre ist Wheeler anscheinend immun dagegen geworden.
Schlecht, sehr schlecht.
„Wegen eines kleinen Splitters so einen Aufstand zu machen“, er schüttelt missbilligend den Kopf, greift entschieden nach meiner Hand und quetsch mir die Finger.
„Nimm deine Grabschgriffel von mir!“, ärgerlich schlage ich ihm auf die Pfoten, will gar nicht wissen, wo er die schon überall hatte.
Um ehrlich zu sein, mache ich diesen „Aufstand“, obwohl er natürlich maßlos übertreibt, ich sträube mich lediglich ein wenig, gar nicht, weil er dieses Holzstückchen unter meinem Fingernagel hervorholen will, denn es stört dort doch schon ein bisschen, es sind vielmehr Wheelers Methoden, die mich erbleichen lassen.
Er senkt den Kopf, hebt meine Hand gleichzeitig an und dann kommt der Teil, der mich Himmel und Hölle befürchten lässt.
Heiße, glatte Lippen schließen sich um meinen Zeigefinger, scharfe Zähne schrammen leicht über meine Haut.
Ungläubig und beinahe ein wenig erschrocken weiten meine Augen sich, als er zu saugen beginnt.
Vater unser, der du bist im Himmel- STEH MIR BEI!
Ich spüre, wie ich kreideweiß werde. Und wie das so ist, wenn das Blut sich aus einer bestimmten Körperregion verabschiedet, sammelt es sich woanders.
In diesem Fall möchte ich glaube ich gar nicht wissen, wo es hinfließt.
Wheelers Brauen rutschen eine Winzigkeit zusammen, er sieht sehr konzentriert aus, während sein Mund mich dazu bringt, Dinge zu denken, die gerade ich gerade bei ihm NICHT denken sollte.
Ist es normal, dass ich mir wünsche, die sündhaft heißen Lippen noch ganz woanders zu spüren?
Schluss damit! Pfui, aus, böser Seto... jetzt rede ich schon mit mir
selbst, wie mit Wheeler.
Krampfhaft versuche ich mich auf etwas anderes zu konzentrieren.
Wie hart der Schalensitz unter mir ist, zum Beispiel- seine Lippen sind ganz weich...
Oder wie verrückt die Lichter um uns herum blinken- und ganz bezaubernd schöne Muster auf sein Haar werfen...
Oder wie kalt mir eigentlich ist- Wheelers Mund ist warm, heiß,
wahrscheinlich kocht er innerlich... mich beschleicht das Gefühl, dass das nicht wirklich etwas gebracht hat, die Sache mit dem Ablenken meine ich.
„Köter, was... tust du?“ Ist das da meine Stimme, die so rau und zittrig klingt?
Fester schlagen seine Zähne sich in mein Fleisch, sind kurz davor, mir wehzutun, dann gibt er mich plötzlich frei, richtet sich auf und verzieht das Gesicht, streckt mir die Zunge raus und pult ein kleines Holzstück davon ab.
Lässig zuckt er mit den Schultern. „Ich hab dich befreit.“
Beinahe stolz hält er den Splitter ins funkelnde Neonlicht. „Was sonst?“
Ja, was sonst?
Hat er wirklich keine Ahnung, kann ein einzelner Mensch eigentlich so begriffsstutzig und unschuldig sein, oder spielt er nur? Wenn das der Fall
ist, bin ich ihm bitterböse! Das ist ein Spiel, von dem ich nicht einmal die Regeln kenne, obwohl mich so ein ungutes Gefühl beschleicht, dass es gar keine gibt.
„Seto?“ Er beugt sich ein Stück vor, diese wahnsinnig roten Lippen kommen mir immer näher.
Fest presse ich mich in den Sitz, doch das blöde Ding will einfach nicht weichen.
Obwohl ich ihm wohl eigentlich dankbar dafür sein sollte, unter mir geht es gut zehn Meter steil in die Tiefe.
„Geht es dir nicht gut?“ Er klingt beinahe besorgt.
Oder alles nur Tarnung? Ich könnte wetten, dieser kleine Bastard weiß ganz genau, was er da tut.
Und dennoch kann ich den Blick einfach nicht von seinem Mund lösen.
Eine Hand legt sich an meine Wange, sie ist warm, beinahe zu warm. Er verbrennt mich!
„Du bist ja“, wie paralysiert starre ich auf diese sündigen Lippen, seine Stimme dringt nur noch dumpf, wie durch Watte an mein Ohr, „ganz kalt.“
Kalt? Wer?
Ich?
Kann nicht sein, hier drin ist es tierisch heiß!
„Komm.“
Was? HIER? Aber das geht doch nicht!
Er schnappt meinen Oberarm, zieht mich hoch und ich, erschlagen, wie ich bin, lasse ihn einfach gewähren.
Entschlossen schleift Wheeler mich aus dem Riesenrad (Seit wann stand die Gondel wieder? Das muss mir völlig entgangen sein.) über den Marktplatz.
Desorientiert und noch zu sehr mit mir selbst beschäftigt, um mehr als sporadischen Widerstand zu leisten, stolpere ich ihm hinterher.
Wo will der Köter jetzt schon wieder hin?
Sollte es dort warm und dunkel sein, kann ich für nichts garantieren...
Hilfe! Sind das wirklich meine Gedanken oder hat sich irgendein
Wahnsinniger, der mal wieder die Weltherrschaft an sich reißen will, in meinen Kopf eingeklinkt?
Wir halten an.
Irritiert schaue ich mich um. Auf jeden Fall sind wir noch auf dem
Weihnachtsmarkt und auch alles andere als allein. Vielleicht sollte ich auch dafür dankbar sein.
„Da, das wird dich aufwärmen.“
Warum? Mir ist wirklich heiß genug, noch ein bisschen mehr Wärme, und ich schmelze wie ein Schneemann in der Sonne.
Eigentlich ein passender Vergleich, wirft Wheeler mir nicht immer vor, frostig wie ein solcher zu sein?
Also schön, ich bin ein Schneemann und Wheeler ist meine Sonne.
...
Was denke ich eigentlich für einen Schwachsinn?
Vielleicht bin ich krank, zu viel Sauerstoff, wahrscheinlich fange ich auch gleich an, von einem Bein aufs andere zu hüpfen, wie der Blonde vorhin und dann ist es amtlich: Frischluft macht blöd!
Er drückt mir etwas Warmes, Rundes in die Hand und das bringt mich schließlich in die Wirklichkeit zurück. Skeptisch schaue ich die Tasse an.
Das Ding ist so hässlich, dass ich es nicht einmal geschenkt würde haben wollen und dann soll man auch noch Pfand dafür bezahlen.
Als ob irgendjemand diese Scheußlichkeit freiwillig mit nachhause nehmen würde.
Das Porzellan ist knallrot angemalt, weiß gepunktet- oder nein, das sollen wohl Schneeflocken sein und... Oh mein Gott, sind das da Rentiere an der Seite?
„Was. Ist. Das?“, angewidert verziehe ich das Gesicht, sehe ihn
vorwurfsvoll an.
Wheeler lächelt mich aufmunternd an, hebt seinerseits eine Tasse hoch.
„Das“, erklärt er und ein gönnerhaftes Lächeln umspielt seine Lippen, „ist Glühwein.“
Glühwein, soso.
Auf mein skeptisches Stirnrunzeln fügt er hinzu: „Das kann man trinken.“
„Oh Danke Wheeler, darauf wäre ich von allein wirklich nicht gekommen. Ich dachte, damit könnte man deine bleichen Loden färben.“
Drohend halte ich die Tasse über seinen Kopf.
Vorsichtshalber tritt er einen Schritt zurück, lacht jedoch.
„Der schmeckt gut, koste doch wenigstens, bevor du wieder schimpfst.“
Kritisch äuge ich über den roten Rand, schnuppere an der dampfenden Flüssigkeit, setzte sich dann vorsichtig an die Lippen und nehme einen Schluck.
„Das ist ja Alkohol!“, entsetzt und vorwurfsvoll funkle ich ihn an.
An einem einzigen Tag macht Wheeler mich nicht nur zum Einbrecher sondern auch gleich zum Alkoholiker.
Na gut, das war vielleicht ein bisschen übertrieben, aber mal ehrlich, wie sieht das denn aus, wenn ich nachher mit einer Fahne heimkomme?
Was wird nur mein kleiner Bruder von mir denken?
Mein guter Ruf ist dahin! Und meine Firma, mein Lebenswerk wird den Bach runtergehen und...
„Aber nur ein bisschen.“
Beruhigend legt er mir eine Hand auf den Arm, grinst mich freundlich an.
... und eigentlich ist das alles nicht so schlimm.
Dann macht er mich eben kriminell und bringt mich dazu, mich selbst zu vergessen.
Was macht das schon? Eigentlich, wenn ich ganz ehrlich bin und alle Vorurteile wegschiebe, hatte ich heute so viele Adrenalinschübe wie schon lange nicht
mehr.
Alle nur wegen diesem kleinen, unfähigen, blonden Minilöwen.
Nur eines kann ich ihm nicht verzeihen: Es ist ihm gelungen, mich aus der Fassung zu bringen.
Und er musste dazu nicht mehr tun, als seine Lippen einzusetzen.
Aber das kann ich auch! Feuer bekämpft man bekanntlich am besten mit Feuer.
Ich nehme einen zweiten, tieferen Schluck, trinke mir ein bisschen Mut an, bevor ich nach seinem Schal greife. Dieses scheußliche, selbstgemachte Ding mit den vielen fallengelassenen Maschen, so dass es aussieht, wie ein
Schweizer Käse.
Meine Finger vergraben sich in der Wolle, ich ziehe Wheeler zu mir, beuge mich zu ihm hinab.
Die braunen Augen weiten sich überrascht, werden noch ein wenig größer, als ich meinen Mund auf seinen presse.
Na bitte, es geht doch, er ist hier nicht der Einzige, der zu überraschen weiß.
Seine Lippen sind genauso heiß und anschmiegsam, wie ich sie mir vorgestellt habe, nur ein bisschen rauer, aufgesprungen von der eiskalten Luft.
Nur langsam, fast widerwillig löse ich mich von ihm.
Wheeler blinzelt mich an, sein Blick ist verklärt und vorsichtig tastet er über seine Lippen.
„Was...?“
Diesmal ist es an mir, gelassen mit den Schultern zu zucken, ihm ein blasses Lächeln und schenken.
„Ich musste mich doch noch für deine Hilfe bedanken.“
Mit einem letzten, tiefen Schluck stürze ich den Rest meines Weines hinunter.
Warm brennt er in meinem Magen und Wheelers Kuss auf meinen Lippen.


Nachtwort: Zum Schluss möchte ich mich bei all denen bedanken, die diesen Adventskalender überhaupt erst möglich gemacht haben. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, ein Teil hiervon zu sein! Vielen Dank dafür!
Selten habe ich so kontinuierlich an einer FF gearbeitet und es war ein völlig neues Schreibgefühl *lacht*, so ohne monatelange Pausen dazwischen.
*allen applaudiert*
Ihr seid die Größten!



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